setzt auf eine massive Erweiterung seiner Infrastruktur in Europa und vertieft die technologische Allianz mit OpenAI. Wie das Unternehmen auf dem RAISE Summit in Paris bekannt gab, soll bis Ende des Jahres 2027 eine KI-Rechenkapazität von insgesamt 200 Megawatt (MW) auf dem europäischen Kontinent aufgebaut werden. CEO Andrew Feldman sprach im Rahmen der Veranstaltung von Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar.
Rechenzentren in Frankreich und Skandinavien bis 2027
Die geplante Expansion konzentriert sich auf strategische Standorte in Frankreich sowie in den nordischen Ländern Norwegen und Finnland. Ein erster Meilenstein soll bereits Ende 2026 erreicht werden, wenn die ersten Rechenzentrumskapazitäten in Betrieb gehen. Ein Standort in Frankreich wurde konkret in Lyon lokalisiert. Neben der Erhöhung der reinen Rechenleistung zielt die Strategie vor allem auf die Einhaltung europäischer Standards zur Datenhoheit und auf die Reduzierung von Latenzzeiten für lokale Kunden ab.
In den skandinavischen Ländern setzt Cerebras zudem verstärkt auf die Nutzung erneuerbarer Energien für den Betrieb der energieintensiven KI-Systeme. Die Kapazitäten sollen schrittweise hochgefahren werden, um der steigenden Nachfrage nach spezialisierter Hardware für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle (Inference) gerecht zu werden. Laut Feldman übersteigt die aktuelle Nachfrage nach KI-Chips das vorhandene Angebot deutlich, weshalb der Ausbau der physischen Infrastruktur für das weitere Wachstum essenziell sei.
Kooperation mit OpenAI erreicht neue Dimensionen
Ein wesentlicher Teil der neuen europäischen Kapazitäten ist für Workloads von OpenAI reserviert. Die Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen, die bereits seit Januar 2026 besteht, wurde deutlich ausgeweitet. Der aktuelle Compute-Deal wird nun auf ein Volumen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar über eine Laufzeit von mehreren Jahren beziffert. Sachin Katti von OpenAI hob während der Ankündigung hervor, dass die Geschwindigkeit der Inferenz ein entscheidendes Merkmal für künftige KI-Produkte sei.
Technische Daten untermauern diesen Anspruch: Das OpenAI-Modell Phi-6 wird auf der Cerebras-Architektur mit einer Geschwindigkeit von 750 Tokens pro Sekunde ausgeführt. Die Wafer-Scale-Technologie von Cerebras ermöglicht es laut Unternehmensangaben, Gewichte von KI-Modellen direkt auf dem Chip-internen SRAM zu speichern, was die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Vergleich zu herkömmlichen Grafikprozessoren (GPUs) um den Faktor 10 bis 30 steigern könne.
Skalierung der Produktion und finanzielle Bilanz
Um den hohen Auftragsbestand von aktuell rund 25 Milliarden US-Dollar abzuarbeiten, hat Cerebras eine strategische Partnerschaft mit dem Fertigungsdienstleister Flex geschlossen. Ziel dieser Kooperation ist es, die Produktionskapazität für das aktuelle Flaggschiff-System CS-3 bis zum Jahr 2026 um den Faktor sieben zu erhöhen. Die Fertigung soll primär in den Flex-Anlagen in Kalifornien erfolgen.
Finanziell blickt das Unternehmen auf ein turbulentes erstes Quartal 2026 zurück. Der Umsatz verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 193,4 Millionen US-Dollar, womit die Erwartungen der Analysten übertroffen wurden. Gleichzeitig wies Cerebras jedoch einen Nettoverlust von etwa 14 Millionen US-Dollar aus, was einem Verlust von 0,22 US-Dollar je Aktie entspricht und hinter den Konsensschätzungen zurückblieb.
Die Aktie, die erst im Mai 2026 zu einem Ausgabepreis von 185 US-Dollar an die Börse ging, reagierte auf die Nachricht über die Europa-Expansion und den massiven OpenAI-Auftrag mit deutlichen Kursgewinnen. Analystenhäuser zeigen sich mehrheitlich optimistisch. Experten von Instituten wie UBS, Morgan Stanley, Wedbush und Citi bekräftigten ihre positiven Einschätzungen. Das durchschnittliche Kursziel der Beobachter liegt bei etwa 296,44 US-Dollar, was ein erhebliches Aufwärtspotenzial signalisiert. Dennoch gibt es kritische Stimmen: Die Kanzlei Pomerantz LLP leitete eine Untersuchung wegen möglicher Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Börsengang und den anschließenden Kursverlusten nach den Q1-Zahlen ein.
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