Ein Auftragsbestand von rund 63 Milliarden Dollar, ein Kursplus von über 50 Prozent seit Jahresbeginn – und trotzdem verkaufen Insider munter weiter. Bei Caterpillar prallen starke Fundamentaldaten und wachsende Zweifel an der Bewertung gerade heftig aufeinander.
Zacks Research hat am Mittwoch die Gewinnschätzung für das dritte Quartal 2026 angehoben. Die Analysten erwarten nun einen Gewinn je Aktie von 6,36 Dollar, zuvor waren es 6,29 Dollar. Die Anhebung kommt zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Die Aktie ist in den vergangenen sieben Handelstagen um 8,06 Prozent gefallen und notiert aktuell bei 766,80 Euro.
Starke Nachfrage, schwache Kursreaktion
Der Baumaschinenhersteller bleibt trotz des Rückgangs der beste Dow-Wert des laufenden Jahres. Seit Januar hat die Aktie um 50,06 Prozent zugelegt. Analysten führen diese Entwicklung auf einen Infrastruktur-Superzyklus, steigende Nachfrage nach Energieinfrastruktur für Rechenzentren und einen prall gefüllten Orderbestand zurück.
Genau dieser Auftragsbestand sticht heraus. Im letzten Quartal erreichte er rund 63 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das zweite Quartal 2026 rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 6,25 Dollar, ein Plus von 32,4 Prozent zum Vorjahresquartal. Beim Umsatz liegt die Konsensschätzung bei 19,31 Milliarden Dollar, ein erwarteter Zuwachs von 16,56 Prozent.
Das Management hatte die Jahresprognose zuletzt auf ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich angehoben. Begründet wurde dies mit Stärke in allen Endmärkten und steigender Nachfrage nach Energieinfrastruktur aus dem Rechenzentrumsgeschäft.
Bewertung gerät ins Visier
Trotz dieser robusten Zahlen wächst die Skepsis gegenüber der aktuellen Bewertung. Die Aktie notiert 18,41 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 939,80 Euro vom 30. Juni. Über zwölf Monate steht dennoch ein Kursgewinn von 112,70 Prozent zu Buche.
Ein Bewertungsmodell stuft die Aktie als „deutlich überbewertet“ ein – mit einem Kurs, der 108,3 Prozent über dem geschätzten fairen Wert von 421,19 Dollar liegt. Ein anderes Modell auf Basis prognostizierter Cashflows kommt auf eine Überbewertung von 12,2 Prozent, während Marktmultiples günstiger erscheinen. Die Einschätzungen zur fairen Bewertung gehen also deutlich auseinander.
Hinzu kommt ein Signal aus dem Unternehmen selbst. Insider haben in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 87,6 Millionen Dollar verkauft, Käufe gab es nur für 0,2 Millionen Dollar. Ein derart einseitiges Verhältnis nährt Zweifel, ob das Management selbst von weiterem kurzfristigem Kurspotenzial überzeugt ist.
Tarifkosten als Belastungsfaktor
Ein weiteres Risiko bleibt bestehen: mögliche Zusatzkosten durch Zölle. Caterpillar rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit Belastungen zwischen 2,2 und 2,4 Milliarden Dollar. Diese Summe könnte einen Teil der operativen Gewinne aus dem starken Auftragswachstum wieder aufzehren.
Die Quartalszahlen für das zweite Quartal stehen als nächster wichtiger Termin an. Sie werden zeigen, ob die angehobene Gewinnschätzung von Zacks Research gerechtfertigt war – und ob der jüngste Kursrückgang eine Verschnaufpause war oder der Beginn einer längeren Konsolidierung nach der starken Rally der vergangenen zwölf Monate.
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