Charles Hoskinson wird selten leise, wenn es um sein eigenes Netzwerk geht. Diesmal legt der Cardano-Gründer eine Zahl vor, die aufhorchen lässt: Das kommende Leios-Upgrade soll den Durchsatz um das 60-Fache steigern. Damit, so Hoskinson, spiele Cardano künftig in derselben Liga wie die XRP Ledger.
Ein Vergleich mit Sprengkraft
Im Podcast „The Breakdown“ bei David Gokhshtein wurde Hoskinson deutlich: „Leios bringt uns einen 60-fachen Durchsatz. Wir sind dann so performant wie XRP – und haben trotzdem unsere Prinzipien behalten.“
Der Vergleich hat Gewicht. Die XRP Ledger gilt als Maßstab für Geschwindigkeit: Abwicklungen in drei bis fünf Sekunden, eine Kapazität von bis zu 1.500 Transaktionen pro Sekunde. Im März 2026 überschritt das Netzwerk in einer Spitzenlast rund 120 Transaktionen pro Sekunde, bei etwa 650 gleichzeitigen Vorgängen.
Hoskinson verkauft das Upgrade als Beweis, dass Cardano dem klassischen Blockchain-Trilemma entkommt. Skalierbarkeit, Dezentralität und Sicherheit gelten in der Branche seit Jahren als schwer vereinbar. Die Grundlage für die Behauptung existiert bereits: Am 23. Juni 2026 startete das öffentliche Testnetz für Ouroboros Leios unter dem Namen Musashi Dojo. Es ist der erste Praxistest des Protokolls in einer echten Netzwerkumgebung. Der Mainnet-Start soll noch in diesem Jahr folgen.
Kapital fließt ab, Kritik wird laut
Die optimistischen Töne kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Ökosystem unter Druck steht. Hoskinson räumte im selben Interview ein, dass Leios zwar neue Nutzer und mehr Kapital bringen könnte. Zuvor hatte er allerdings gewarnt, das gesperrte Kapital in Cardanos DeFi-Sektor könne einbrechen, sollten Governance-Teilnehmer die nötigen Upgrades nicht absegnen.
Diese Warnung kam nicht aus dem Nichts. Zwei Projekte im Ökosystem, TapTools und JPG Store, haben zuletzt den Betrieb eingestellt. Die Zahlen bestätigen den Trend: Laut DeFiLlama fiel das in Cardano-Anwendungen gesperrte Kapital von 566 Millionen ADA am 30. Juni auf 462 Millionen ADA am 6. Juli.
Hoskinson nutzte den Auftritt auch, um ein zweites Vorzeigeprojekt zu verteidigen. Der Content-Creator Big Pey hatte Midnight City als Beispiel für Verschwendung im Ökosystem bezeichnet – Millionen investiert, aber keine neuen Nutzer gewonnen. Big Pey nannte das die „Cardano-Methode“: viel Geld für Projekte ohne kurzfristigen kommerziellen Nutzen. Hoskinson konterte scharf. Er habe jeden Respekt vor Big Pey als Unternehmer verloren, sagte er, und warf ihm vor, die Entwicklung von Konsumprodukten nicht zu verstehen.
Kurs erholt sich, Derivatemärkte bleiben skeptisch
Der ADA-Kurs hat auf die Leios-Nachrichten reagiert. Von 0,14 US-Dollar am 30. Juni stieg der Preis um 28 Prozent auf 0,18 US-Dollar am 6. Juli. Aktuell notiert Cardano weiterhin bei 0,18 US-Dollar, mit einem Plus von gut 26 Prozent auf Wochensicht.
Die Erholung bleibt fragil. Das 52-Wochen-Tief von 0,14 US-Dollar liegt erst wenige Tage zurück, datiert auf den 26. Juni. Zum bisherigen Jahreshoch von 1,01 US-Dollar aus dem August 2025 fehlen noch immer mehr als 80 Prozent.
Die Derivatemärkte spiegeln diese Vorsicht wider. Das Long/Short-Verhältnis auf Coinglass fiel auf 0,88 – der niedrigste Stand seit dem 30. Juni. Das deutet darauf hin: Viele Trader wetten auf fallende Kurse, nachdem sich die Rally am gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von rund 0,19 US-Dollar totgelaufen hat.
Auch das offene Interesse schrumpft. Es fiel am 6. Juli um 10 Prozent auf 460 Millionen US-Dollar. Zuvor waren Long-Positionen im Wert von 1,42 Millionen US-Dollar liquidiert worden – Raum für Leerverkäufer, den Markt zu dominieren.
Technisch bewegt sich Cardano in einer engen Spanne zwischen 0,17 US-Dollar Unterstützung und 0,19 US-Dollar Widerstand. Bei 0,19 US-Dollar treffen gleich mehrere Signale aufeinander: der gleitende 50-Tage-Durchschnitt, das obere Bollinger-Band und ein wichtiger Pivot-Punkt. Die Tagesstruktur gilt als neutral, die kurzfristige Dynamik als eher bärisch.
Uneinheitliches Bild bei den DEX-Umsätzen
Auch die dezentralen Börsen im Cardano-Netzwerk senden widersprüchliche Signale. Minswap, die größte Handelsplattform im Ökosystem, verzeichnete einen Einbruch der Gebühreneinnahmen um 63 Prozent binnen 24 Stunden. SundaeSwap V2 traf es noch härter: minus 96 Prozent im Tagesvergleich.
Auf Wochensicht kippt das Bild allerdings. SundaeSwap legte um 266 Prozent zu, Dano Finance sogar um 1.300 Prozent. Kurzfristige Tagesschwankungen und mittelfristige Trends laufen damit deutlich auseinander.
Ob sich Hoskinsons Durchsatz-Versprechen in echtes Entwickler- und Liquiditätsinteresse übersetzt, bleibt bis zum geplanten Mainnet-Start später in diesem Jahr offen. Frühere Aufwärtsbewegungen nach Upgrade-Ankündigungen sind bei Cardano bereits mehrfach wieder verpufft, bevor sie sich fundamental bestätigen ließen.
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