Der französische Biochemie-Spezialist Carbios muss seine Zeitplanung für das zentrale Industrieprojekt in Longlaville anpassen. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, wird das Ziel eines finanziellen Abschlusses für die dortige PET-Biorecycling-Anlage bis zum 30. September nicht erreicht. Als Grund nennt das Management laufende Due-Diligence-Prüfungen durch mehrere beteiligte Akteure, die mehr Zeit als ursprünglich veranschlagt in Anspruch nehmen.
Verzögerungen beim geplanten Produktionsstart
Die Verschiebung der Finanzierung hat unmittelbare Auswirkungen auf die geplanten Betriebsabläufe des Vorhabens. Wie Eco-plastics in Packaging am Donnerstag berichtete, wurde der erwartete Zeitplan für den Produktionsstart in Longlaville aufgehoben. Ursprünglich war die Aufnahme des Betriebs für die erste Jahreshälfte 2028 vorgesehen. Ein neues Zieldatum nannte das Unternehmen nach dem Verzug bei der Finanzierung zunächst nicht.
Trotz der zeitlichen Verzögerung meldet Carbios Fortschritte bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern. Am Dienstag bestätigte das Unternehmen, dass bereits mehrere Bankpartner formale Genehmigungen ihrer jeweiligen Kreditausschüsse für die Projektfinanzierung erhalten haben. Diese Zusagen gelten als entscheidender Schritt, um die erste kommerzielle Anlage dieser Art zur enzymatischen Wiederverwertung von Kunststoffen zu realisieren.
Technologische Meilensteine in der Erprobung
Parallel zur Finanzierungsphase erzielt Carbios operative Erfolge in seiner Demonstrationsanlage in Clermont-Ferrand. Am 21. Juli schloss das Unternehmen die Produktion der hundertsten Charge erfolgreich ab. Damit wurde das sogenannte „Fiber-to-Fiber“-Verfahren unter industriellen Bedingungen validiert. Dieser Prozess ermöglicht das Recycling von Textilabfällen aus Polyester zu hochwertigen Fasern, die erneut in der Produktion eingesetzt werden können.
Auf Basis dieser Ergebnisse hat Carbios sein Angebot zur Technologie-Lizenzierung offiziell auf den weltweiten Textilmarkt ausgeweitet. Ziel ist es, die Recycling-Technologie international zu vermarkten. Zur Unterstützung der Marktaktivitäten verfügte das Unternehmen im Rahmen seines Liquiditätsvertrags mit Natixis ODDO BHF zum Stand vom 30. Juni über ein Guthaben von 198.347,09 Euro sowie 12.989 eigene Aktien.
Marktreaktion und Ausblick
An der Börse steht das Papier weiterhin unter Druck. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 6,92 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust damit auf 38,76 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch, das am 5. Dezember 2025 bei 15,79 Euro markiert wurde, ist der Titel aktuell 56,17 Prozent entfernt. Medienberichten zufolge hat sich die kurzfristige technische Einschätzung für den Wert aufgrund der jüngsten Nachrichtenlage verschlechtert.
Anleger blicken nun auf den 24. September. An diesem Tag plant Carbios die Veröffentlichung der Finanzergebnisse für das erste Halbjahr 2026. Im Rahmen dieses Berichts wird zudem ein detailliertes Update zum Status der Finanzierung für das Projekt in Longlaville erwartet, das für die langfristige Wachstumsstrategie des Unternehmens von zentraler Bedeutung ist.
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