Capgemini hebt seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Der Auslöser: ein Quartal, in dem der KI-Boom bei Europas etablierten IT-Beratern spürbar in Aufträge mündet. Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt allerdings auch Bremsspuren im Kerngeschäft.
Starkes Quartal, höhere Ziele
Der Umsatz stieg im dritten Quartal auf 6,07 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 11,7 Prozent. Das lag über den Erwartungen der Analysten und über dem Branchentrend, wie Konzernchef Aiman Ezzat betonte. Die Nachfrage konzentriere sich darauf, Datensysteme der Kunden für KI umzubauen.
Entsprechend steigt die Wachstumsvorgabe für das Gesamtjahr auf 9,0 bis 9,5 Prozent, zuvor waren es 8,5 bis 9,0 Prozent. Rund fünf Prozentpunkte steuern Zukäufe bei. Margenziel und Free-Cashflow-Ziel bleiben unverändert.
Regional zog vor allem Großbritannien samt Irland an, mit einem Plus von 25,2 Prozent. Nordamerika legte um 18,3 Prozent zu, getragen von Finanzdienstleistern. Frankreich wuchs um 4,9 Prozent, das zweite Quartalsplus in Folge, obwohl der öffentliche Sektor schwach blieb.
Wo es hakt
Das Bild hat Schattenseiten. Der Auftragseingang wuchs nur um 3,4 Prozent auf 5,40 Milliarden Euro, im ersten Quartal waren es noch 6,2 Prozent. Das Kerngeschäft Applications & Technology, rund 63 Prozent des Konzernumsatzes, verlangsamte sich auf 3,5 Prozent nach 5,3 Prozent im Vorquartal.
Den Schub liefern vor allem Operations & Engineering mit einem Plus von 26,9 Prozent sowie Strategy & Transformation mit 18,6 Prozent. Hinzu kommen die 2025 abgeschlossenen Übernahmen von WNS und Cloud4C, die in Nordamerika, Großbritannien und Asien-Pazifik spürbar beitrugen.
Die Belegschaft liegt bei 417.500 Beschäftigten. Das sind 5.900 weniger als zum Jahresende 2025, aber 18 Prozent mehr als vor einem Jahr, vor allem wegen der WNS-Integration. Der Cashflow-Plan berücksichtigt zudem rund 200 Millionen Euro höhere Restrukturierungsausgaben im Rahmen der Fit-for-Growth-Initiativen.
Vierter Quartal mit Gegenwind
Für das Schlussquartal peilt Capgemini ein währungsbereinigtes Wachstum von 3 bis 4 Prozent an. Das Management führt die Abkühlung auf die höhere Vergleichsbasis zurück, weil die Zukäufe nun in den Vorjahreszahlen stecken, nicht auf schwächere Nachfrage. Die Aktie schloss am Vortag bei 123,10 Euro.
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