Ausgangslage
BYD steckt mitten in der dichtesten Nachrichtenphase des Jahres. Auf der Chengdu Auto Show, die heute beginnt, zeigt der Hersteller gleich mehrere neue Modelle: die dritte Generation des Tang-SUV, die als fünfsitziges Pendant zum im Juni gestarteten Flaggschiff Da Tang eine Doppelspitze bilden soll, die Limousine Da Han mit Preisbekanntgabe und Vorverkaufsstart sowie unter der Marke Fang Cheng Bao die Modelle Formula S und Formula S GT, deren Vorbestellungen ab heute zu Preisen zwischen 230.000 und 280.000 Yuan laufen.
Parallel dazu meldet der kompakte Stadtwagen Racco für den japanischen Markt weiter steigende Bestellzahlen. Nur eine Woche später, am 28. August, tagt der Vorstand, um die Halbjahreszahlen zum 30. Juni zu billigen und zur Veröffentlichung freizugeben. Für Anleger fällt damit binnen weniger Tage eine Fülle an Informationen zusammen, die die Richtung der Aktie für die kommenden Wochen prägen dürfte.
Die entscheidende Frage
Im Zentrum steht eine einzige Frage: Kann BYD die Modelloffensive in echte Absatzdynamik übersetzen, bevor der Preiskampf auf dem chinesischen Heimatmarkt die Margen weiter drückt?
Die Halbjahreszahlen am 28. August werden zeigen, ob die neuen Baureihen bereits operativ Wirkung zeigen oder ob die Vorstellungen in Chengdu vor allem PR-Wert für die zweite Jahreshälfte liefern. Die Aktie notiert aktuell bei 10,09 Euro und damit 3,5 Prozent über dem Niveau von vor einer Woche – ein Hinweis, dass der Markt der Produktoffensive zumindest kurzfristig Kredit gibt.
Bullisches Szenario
Gelingt es BYD, die drei neuen Baureihen zügig in Stückzahlen umzusetzen, dürfte das die Wachstumsstory stützen, die zuletzt von starken Exportzahlen getragen wurde. Der Racco-Kleinwagen für Japan hat bereits mehr als 1.000 Bestellungen in den ersten Wochen eingesammelt und übertraf damit das eigene Zwei-Wochen-Ziel; das Unternehmen strebt bis Jahresende 10.000 Einheiten an.
Setzt sich dieses Momentum bei Da Han, Tang und den Fang-Cheng-Bao-Modellen fort, hätte BYD gleich vier Wachstumsträger parallel im Markt – von der günstigen Kompaktklasse bis zur Premium-Limousine.
Ein zusätzlicher Baustein wäre die für August angekündigte Vorstellung eines humanoiden Roboters in den Di-Space-Erlebniszentren, die zeigen soll, dass BYD über das Kerngeschäft hinaus an Zukunftstechnologien arbeitet.
Bestätigen die Halbjahreszahlen zudem stabile Margen trotz der Modellvielfalt, könnte die Aktie den Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 9,55 Euro weiter ausbauen und Richtung der höheren gleitenden Durchschnitte laufen.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der schieren Menge an gleichzeitig gestarteten Modellen. Jede neue Baureihe bindet Marketing- und Vertriebskapazitäten, ohne dass am 21. August bereits belastbare Verkaufszahlen vorliegen – die Vorbestellungen für Formula S und Formula S GT sowie der Vorverkauf des Da Han starten gerade erst.
Sollte sich in den Halbjahreszahlen zeigen, dass der intensive Preiswettbewerb in China stärker auf die Margen drückt, als die Exporterfolge ausgleichen können, dürfte der Markt enttäuscht reagieren.
Die Aktie liegt trotz der jüngsten Erholung noch immer rund 24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro aus dem vergangenen August – ein Zeichen, dass das Vertrauen der Anleger in die Profitabilität der Wachstumsstrategie zuletzt gelitten hat. Bleibt die operative Bestätigung aus, könnte dieser Abstand eher wachsen als schrumpfen.
Ausblick
Solange die Vorbestellungen für die in Chengdu präsentierten Modelle anhalten und die Halbjahreszahlen am 28. August keine deutliche Margenerosion offenbaren, spricht einiges für eine Fortsetzung der jüngsten Kurserholung.
Kippt dagegen die Botschaft der Zahlen – etwa durch schwächere Profitabilität trotz Rekordvolumen im Export – dürfte die Aktie schnell wieder in Richtung ihrer Jahrestiefstände tendieren.
Der nächste konkrete Prüfstein ist damit klar terminiert: die Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Halbjahr Ende kommender Woche, ergänzt um erste belastbare Bestellzahlen für Da Han, Tang und die Fang-Cheng-Bao-Modelle, die in den Wochen danach erwartet werden.
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