Europas Autoindustrie kämpft mit Überkapazitäten— BYD sieht darin eine Chance. Der chinesische Elektroautobauer verhandelt mit Stellantis und anderen europäischen Herstellern über die Übernahme brachliegender Werke. Und das ist noch nicht alles: Auch die Luxusmarke Maserati hat BYD ins Visier genommen.
BYD-Vizepräsidentin Stella Li bestätigte die Gespräche am Rande der FT-Konferenz „Future of the Car“ in London. „Wir sprechen nicht nur mit Stellantis, sondern auch mit anderen Unternehmen“, sagte Li gegenüber Bloomberg. BYD wolle verfügbare Werke in Europa nutzen— und das bevorzugt ohne Joint Venture, also unter eigener Kontrolle.
Tarife umgehen, Kapazitäten füllen
Der strategische Kern ist klar: Wer in der EU produziert, umgeht die Strafzölle von 17 bis 35 Prozent, die Brüssel im Oktober 2024 auf chinesische Elektroautos verhängt hat. Stellantis, Renault und Nissan haben Werke, die sie nicht auslasten können— BYD hätte die Fahrzeuge, um sie zu füllen.
Das Cassino-Werk in der Provinz Frosinone illustriert das Ausmaß des Problems. Im ersten Quartal 2026 liefen dort laut einem Gewerkschaftsbericht nur noch 2.916 Fahrzeuge vom Band— ein Rückgang von 37 Prozent. Das Werk produziert an fünf bis sechs Tagen im Monat. Stellantis hatte zuletzt mit einer Abschreibung von 22 Milliarden Euro auf sein Elektrogeschäft für Aufsehen gesorgt.
Einen abgeschlossenen Deal gibt es bislang nicht. Welche Werke konkret zur Debatte stehen, hat BYD öffentlich nicht kommuniziert.
Heimatmarkt unter Druck
Hinter dem europäischen Expansionsdrang steckt auch ein handfestes Problem im Inland. Im ersten Quartal 2026 brach BYDs Nettogewinn um 55 Prozent ein— nach acht Monaten rückläufiger Inlandsverkäufe in Folge. Bereits 2025 war der Jahresgewinn trotz Rekordabsatz von 4,6 Millionen Fahrzeugen um 19 Prozent auf 32,6 Milliarden Yuan gefallen.
Auslandsmärkte bieten höhere Margen. BYD hat sein Exportziel für 2026 auf 1,5 Millionen Einheiten angehoben— rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr.
Europa entwickelt sich dabei zum wichtigsten Wachstumsmarkt. Im ersten Quartal 2026 stiegen die europäischen Verkäufe um 170 Prozent auf gut 50.000 Einheiten, der Marktanteil kletterte auf 1,8 Prozent. In Deutschland, dem größten europäischen Automarkt, registrierte BYD im April mit 4.705 Fahrzeugen einen Monatsrekord.
Analysten bleiben optimistisch, Kurs schwächelt
Die H-Aktie schloss am Freitag bei 96,45 Hongkong-Dollar— im laufenden Jahr kaum verändert, auf Jahressicht aber rund 22 Prozent im Minus. 25 Analysten sehen den fairen Wert im Schnitt bei 124 Hongkong-Dollar. Citigroup, die BYD als Top-Pick führt, hat nach den Quartalszahlen ein Kursziel von 142 Hongkong-Dollar ausgegeben und erwartet für das zweite Quartal einen deutlichen Gewinnanstieg— sofern das Auslandsgeschäft Fahrt hält und die Inlandspreise sich stabilisieren.
Ob Brüssel und einzelne Mitgliedstaaten einer chinesischen Übernahme europäischer Automobilwerke zustimmen oder aus industriepolitischen Gründen blockieren, wird das Tempo der Verhandlungen maßgeblich bestimmen. JPMorgan rechnet damit, dass chinesische Hersteller bis 2028 einen Marktanteil von 20 Prozent in Westeuropa erreichen— mit BYD an der Spitze.
BYD-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BYD-Analyse vom 16. Mai liefert die Antwort:
Die neusten BYD-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BYD-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BYD: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
