Ein früherer Außenminister wechselt zum Autobauer, den er selbst mit Staatsgeldern gefördert hat. Genau das prüft Ungarns Regierung jetzt bei BYD. Am Montag kündigte Ministerpräsident Péter Magyar eine Untersuchung sämtlicher Entscheidungen rund um die Investition des chinesischen Herstellers im Land an.
Der Fall Szijjártó
Auslöser ist Péter Szijjártó. Der langjährige Außenminister trat am 15. Juli aus dem Parlament zurück. Wenige Tage später wurde bekannt: Er übernimmt bei BYD eine internationale Führungsrolle für Außenbeziehungen und neue Geschäftsfelder.
Der Vorwurf liegt nahe. Szijjártó soll als Minister maßgeblich an Subventionen, Steuererleichterungen und Umweltauflagen-Ausnahmen für BYD beteiligt gewesen sein. Jetzt wechselt er zum Nutznießer dieser Entscheidungen. Magyars Regierung will genau diese Verbindung lückenlos aufarbeiten – von den Verhandlungen bis zu den konkreten Staatszusagen.
Der Zeitpunkt ist heikel. BYD baut in Szeged, Südungarn, gerade sein erstes europäisches Werk für Personenwagen. Die Fahrzeugproduktion dort soll im vierten Quartal 2026 starten. Ungarn ist damit das Herzstück von BYDs Europa-Strategie – und genau dieses Projekt steht nun unter Beobachtung.
Parallel dazu hat BYD Pläne für ein Werk in der Türkei mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar formal auf Eis gelegt. Der Konzern konzentriert sich stattdessen auf die EU-Lokalisierung.
Auslandsgeschäft wächst, Heimatmarkt schwächelt
Während in Ungarn politisch Sand ins Getriebe gerät, läuft das internationale Geschäft rund. Im Juni 2026 verkaufte BYD im Ausland 175.349 Fahrzeuge – ein Plus von knapp 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das erste Halbjahr summieren sich die Auslandsauslieferungen auf 792.256 Einheiten, ein Anstieg von 70,7 Prozent.
Im Heimatmarkt sieht das Bild anders aus. Die gesamten NEV-Verkäufe fielen im ersten Halbjahr um 15,7 Prozent auf 1.808.511 Fahrzeuge. Preiskampf und gekürzte Subventionen in China drücken auf das Volumen. Das Ausland wird damit zum wichtigen Gegengewicht.
BYD treibt seine globale Expansion trotzdem munter voran. Auf den Philippinen öffnen am 28. Juli die Bestellungen für den neuen Atto 2 und den überarbeiteten Seal 5 DM-i. In Australien läuft seit dem 20. Juli die Interessenregistrierung für den Atto 3 Evo, der Marktstart folgt in der zweiten Jahreshälfte. In Brasilien lief bereits am 16. Juli das 100.000. Elektrofahrzeug vom Band, ein Dolphin Mini – die dortige Belegschaft zählt inzwischen über 5.500 Mitarbeiter.
Aktie erholt sich deutlich vom Tief
Die Kursreaktion fällt bislang moderat aus. BYD-Aktien legten am Montag um 2,53 Prozent auf 10,15 Euro zu. Seit dem 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro Ende Juni hat das Papier bereits gut 26 Prozent gutgemacht.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro aus dem Juli 2025 bleibt die Aktie trotz der Erholung noch weit entfernt. Die Untersuchung in Ungarn dürfte in den kommenden Wochen zeigen, wie tief die Verbindung zwischen Szijjártós früherem Ministeramt und seinem neuen Posten bei BYD tatsächlich reicht – und ob das Szeged-Werk davon berührt wird.
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