BYD schafft es in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge in die Fortune Global 500 und klettert dort auf Platz 91. Gleichzeitig gerät der chinesische Automobil- und Batteriekonzern in Europa und der Türkei zunehmend unter Druck. Die Kombination aus globalem Erfolg und regionalen Rückschlägen prägt das Bild des Unternehmens an diesem Donnerstag.
Rekordzahlen bei Umsatz und Produktion
Für das Geschäftsjahr 2025 weist BYD einen Umsatz von 804 Milliarden Renminbi aus, umgerechnet rund 111 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn lag bei 32,6 Milliarden Renminbi, etwa 4,5 Milliarden Dollar. Der Absatz von New-Energy-Fahrzeugen erreichte im Gesamtjahr 4,6 Millionen Einheiten, im ersten Halbjahr 2026 verkaufte der Konzern bereits mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge. Im Juli lief zudem das 17-millionste New-Energy-Fahrzeug vom Band.
Die Forschungsausgaben stiegen 2025 auf 63,4 Milliarden Renminbi, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die internationalen Verkäufe außerhalb Chinas kletterten um 145 Prozent auf über eine Million Fahrzeuge. BYD ist mittlerweile in 121 Ländern präsent. Diese Zahlen untermauern den Anspruch, sich als weltgrößter Anbieter von Elektrofahrzeugen zu etablieren.
Türkei stoppt Milliardeninvestition
Während die Konzernzahlen beeindrucken, häufen sich die Probleme in einzelnen Auslandsmärkten. Ein WTO-Schiedsgremium erklärte kürzlich Ankaras zusätzliche 40-Prozent-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge für unvereinbar mit den Handelsregeln der Organisation und beanstandete auch die türkischen Importgenehmigungsauflagen als diskriminierend. Die Türkei reagierte, indem sie die Abgabe auf einen 30-Prozent-Aufschlag oder einen Mindestbetrag von 8.500 Dollar pro Fahrzeug umstellte.
Für BYD hat der Streit konkrete Folgen: Eine geplante Investition von einer Milliarde Dollar in ein Werk in Manisa liegt auf Eis, nachdem Ankara die zugesagten Anreize zurückgezogen hat. Die Verkaufszahlen in der Türkei brachen im ersten Halbjahr 2026 um 73,3 Prozent auf 6.809 Einheiten ein. Der Fall zeigt, wie stark BYD in einzelnen Märkten von politischen Entscheidungen abhängig bleibt, obwohl der Konzern global auf Wachstumskurs ist.
Zweifel am Finanzierungsmodell in Deutschland
Auch in Europa mehren sich kritische Stimmen. BYD wächst hier vor allem über Partnerschaften mit europäischen Banken und Leasinggesellschaften statt über eine eigene Finanzierungssparte – ein Modell, das Tempo gegen Marge tauscht. In Deutschland kam dabei ein Detail ans Licht, das Beobachter aufhorchen lässt: Von 30.472 registrierten BYD-Fahrzeugen sind nur 18.536 tatsächlich im Straßenverkehr unterwegs. Analysten sehen darin einen möglichen Hinweis auf sogenanntes Window Dressing, also aufgeblähte Zulassungszahlen ohne entsprechenden Endkundenabsatz. Das Restwertrisiko gilt als zentrale Herausforderung des Partnerfinanzierungsmodells, wobei BYDs eigene Batteriezellfertigung die Risikobewertung nach Einschätzung von Marktbeobachtern verbessern könnte.
Aktie bleibt in Aufwärtsbewegung
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Wachstum und Gegenwind bislang kaum negativ. Das Papier notiert aktuell bei 10,38 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen um 27,33 Prozent zugelegt. Der Kurs liegt damit nur noch 1,66 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt und hat sich der langfristigen Trendlinie deutlich angenähert. Anleger scheinen die operativen Rekorde stärker zu gewichten als die regionalen Rückschläge in der Türkei und die Fragezeichen über das europäische Finanzierungsmodell.
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