Das nächste Etappenziel heißt Toyota. BYD-Managerin Stella Li erklärte, der US-Markt für Personenwagen sei für den chinesischen Konzern dabei gar nicht nötig – das Wachstum komme aus Europa, Südostasien und dem Heimatmarkt China. In Europa hat sich der Marktanteil von BYD bis Mai auf 2,8 Prozent verdoppelt und liegt damit vor Ford, Tesla und Nissan.
Wachstumskurs mit klarem Fahrplan
BYD-Chef Wang Chuanfu bekräftigte auf der Hauptversammlung im Juni, der Konzern wolle innerhalb von fünf Jahren zum weltweit größten Autohersteller nach Produktions- und Absatzvolumen aufsteigen. In den vergangenen zwei Jahren verkaufte BYD 4,27 beziehungsweise 4,6 Millionen Fahrzeuge und rangiert damit derzeit auf Platz fünf der globalen Autobauer – Toyota kommt nach Berichten auf rund 10,5 Millionen verkaufte Einheiten. Für das laufende Jahr peilt BYD ein Auslandsabsatzziel von 1,5 Millionen Fahrzeugen an, das nach Unternehmensangaben übertroffen werden dürfte. Die Marktdurchdringung von Neuenergiefahrzeugen in China sprang von Januar bis Mai 2026 von 38,6 auf 62,9 Prozent – ein Umfeld, das BYD als größtem NEV-Hersteller des Landes direkt zugutekommt.
Neue Modelle und Chip-Technologie treiben die Expansion
Am 17. Juli stellte BYD die neue Generation des SUV-Modells Tang vor, intern als „8er-Tang“ bezeichnet. Der Wagen misst 5.045 mal 1.980 mal 1.760 Millimeter, hat einen Radstand von 2.950 Millimetern und ist wahlweise mit fünf oder sieben Sitzen erhältlich. Die Einstiegsversion mit einem Elektromotor leistet 300 Kilowatt, der erwartete Startpreis liegt bei rund 160.000 Yuan. Parallel positioniert sich mit dem Flaggschiff Da Han ein weiteres Modell im Premiumsegment: Die Version mit Hinterradantrieb erreicht dank einer 102,3-kWh-LFP-Batterie eine CLTC-Reichweite von bis zu 1.008 Kilometern, der erwartete Preis liegt bei umgerechnet rund 44.259 US-Dollar.
Auf der Technologieseite hat BYD mit dem „Xuanji A3“ den nach eigenen Angaben ersten in China entwickelten 4-Nanometer-Fahrassistenzchip vorgestellt. Der 16-Kern-Prozessor erreicht eine Bandbreite von 273 GB/s, im Verbund von drei Chips liegt die Rechenleistung bei über 2.100 TOPS und soll autonomes Fahren der Stufen L3 und L4 unterstützen. Im Zuge der Vorstellung kündigte Wang Chuanfu eine einjährige Sicherheitsgarantie für Nutzer der Fahrassistenzsysteme „God’s Eye A“ und „God’s Eye B“ an. Nach Unternehmensangaben waren bis März 2026 mehr als 2,85 Millionen BYD-Fahrzeuge mit entsprechenden Assistenzsystemen ausgestattet, die täglich rund 180 Millionen Kilometer an Fahrdaten liefern.
Thailand als Sprungbrett für Südostasien
Auch außerhalb Chinas expandiert BYD zügig. Die kumulierten Auslieferungen in Thailand haben die Marke von 130.000 Fahrzeugen überschritten. Das Werk in Rayong, BYDs erste Fertigungsstätte für Pkw außerhalb Chinas, verfügt über eine Jahreskapazität von 150.000 Einheiten. Ergänzend wurden in Australien 5.000 Elektrofahrzeuge per Schiff angeliefert, während in Brasilien für Anfang 2027 die lokale Produktion des Plug-in-Hybrids Dolphin G DM-i mit einer Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern anläuft.
Kursreaktion bleibt verhalten
Von diesem Expansionstempo hat sich der Aktienkurs zuletzt nicht beeindrucken lassen. Am Freitag schloss das Papier bei 9,90 Euro und gab damit um 1,75 Prozent nach. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 9,39 Prozent zu Buche – ein Zeichen, dass sich die Aktie von schwächeren Wochen zuvor etwas erholt hat. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand jedoch weiterhin minus 6,94 Prozent, der Kurs notiert also spürbar unter seinem längerfristigen Trend. Anleger dürften die operative Wachstumsdynamik in den kommenden Wochen an weiteren Absatzzahlen und der Preisentwicklung der neuen Modelle messen.
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