Der chinesische Automobilkonzern BYD setzt bei seiner weiteren Expansion in Europa auf den Kauf bestehender Fertigungsstätten statt auf gemeinsame Kooperationsmodelle. Wie der europäische Sonderberater des Unternehmens, Alfredo Altavilla, am Donnerstag darlegte, gelten Spanien und Frankreich als führende Optionen für das nächste Fahrzeugwerk. Italien wird als Ausweichlösung geführt.
Zukauf statt Kooperation für EU-Vorgaben
Um das angestrebte Wachstum zu tragen und regulatorische Vorgaben der Europäischen Union zu erfüllen, benötigt der Konzern nach Angaben von Altavilla vom vergangenen Mittwoch drei Montagewerke sowie eine Batteriefabrik in Europa. In Ungarn baut das Unternehmen bereits ein Werk in Szeged, dessen Serienfertigung für 2027 geplant ist.
Langfristig strebt BYD an, alle in Europa verkauften Modelle auch lokal zu fertigen. Dies unterstrich Stella Li, Executive Vice President und Leiterin des internationalen Geschäfts, am vergangenen Freitag anlässlich der Fachmesse IAA Transportation in Hannover. Auf der Nutzfahrzeugmesse kündigte das Management an, ab 2027 schwere Lastkraftwagen in Europa einzuführen und diese später ebenfalls vor Ort zu montieren.
Zurückhaltung an den Börsen
Am Aktienmarkt spiegeln sich die Ausbaupläne gegenwärtig kaum wider. Im heutigen Handel gibt das Papier um 0,4 Prozent auf 9,00 Euro nach. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Kursrückgang auf 16 Prozent.
Neben den Investitionen in neue Fertigungskapazitäten rücken kurzfristige Belastungen im Heimatmarkt das operative Risiko in den Vordergrund.
Rückrufaktion und geopolitische Reibungen
Wie die chinesische Marktaufsichtsbehörde am Freitag mitteilte, veranlasst BYD einen Rückruf von 183.211 Fahrzeugen der Modellreihen Qin und Tang. Betroffen sind Autos aus dem Bauzeitraum von 2014 bis 2022. Als Ursache nannte die Behörde Anschlagpuffer am Bremspedal, die einreißen oder sich lösen können. Der Hersteller tauscht die betroffenen Teile über autorisierte Händler kostenlos aus.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen die außenpolitischen Rahmenbedingungen. Laut Reuters könnten Unternehmensvertreter den chinesischen Präsidenten Xi Jinping bei einer Reise in die USA begleiten; BYD lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Das US-Verteidigungsministerium hatte den Konzern im Juni auf eine Liste von Unternehmen gesetzt, denen Verbindungen zum chinesischen Militär nachgesagt werden.
Gleichzeitig forciert BYD den weltweiten Vertrieb. Für das Gesamtjahr stellte das Management bei einem Treffen mit der Deutschen Bank am 8. September Auslieferungen von rund zwei Millionen Einheiten außerhalb Chinas in Aussicht. Parallel dazu soll das werkseigene Ladenetz bis zum Jahresende auf 20.000 Schnellladestationen im Heimatmarkt anwachsen.
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