BYD hat Tesla bei den Elektroauto-Auslieferungen wieder überholt. Im zweiten Quartal 2026 lieferte der chinesische Hersteller 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge aus, Tesla kam nur auf 480.126. Der Erfolg hat allerdings einen Haken: Er entsteht ausgerechnet, weil der Heimatmarkt einbricht.
Die Aktie reagiert positiv. Binnen sieben Tagen kletterte der Kurs um 13,26 Prozent auf 9,39 Euro, an diesem Freitag allein um 4,82 Prozent. Der Blick auf die längere Frist zeigt trotzdem Erholungsbedarf: Auf Jahressicht steht immer noch ein Minus von 29,43 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 14,29 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro trennen die Aktie noch 36,56 Prozent.
Die entscheidende Frage: Reicht die Export-Marge?
Für die Bewertung von BYD zählt vor allem eine Zahl: die Bruttomarge im Auslandsgeschäft von 19,46 Prozent. Sie muss stark genug bleiben, um den Rückgang in China auszugleichen. Dort brechen die Inlandsverkäufe um 22,02 Prozent ein. Zusätzlich drückt ein Preiskrieg, den Branchenbeobachter als „irrational“ bezeichnen, die Netto-Margen der gesamten Industrie unter 3 Prozent.
Bull-Szenario: Die margenstarke Auslandsoffensive
Die Wachstumsstory außerhalb Chinas nimmt Fahrt auf. Im Juni 2026 verkaufte BYD im Ausland 175.349 Fahrzeuge – ein Plus von 94,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Exporte machen inzwischen 44 Prozent der Gesamtverkäufe aus, ein Anstieg von 20 Prozentpunkten binnen eines Jahres.
Dieser Umbau lohnt sich finanziell. Die Auslandsmarge von 19,46 Prozent übertrifft die Inlandsmarge von 16,66 Prozent deutlich. Parallel baut BYD seinen technologischen Vorsprung aus: Das „Flash-Charging“-Netz für Schnellladungen zählte Ende Juni bereits 7.018 Stationen, bis Jahresende sollen es 20.000 werden.
Am 2. Juli startete zudem der Seal 08, umgerechnet zwischen 19,69 und 23,99 Euro positioniert. Sollte BYD sein Jahresziel von 1,5 bis 1,6 Millionen Auslandsverkäufen erreichen, könnte die höhere Profitabilität dieser Einheiten den Kurs zurück in Richtung des 52-Wochen-Hochs von 14,80 Euro tragen.
Bär-Szenario: Schutzmauern und schwächelnder Heimatmarkt
Die Gegenseite der Geschichte heißt: protektionistische Abwehrmaßnahmen. Seit dem 1. Juli verlangt Malaysia für Importe eine Mindest-Motorleistung von 180 kW plus eine Preisuntergrenze – eine Regel, die mehrere BYD-Modelle faktisch blockiert. Südkorea schließt BYD ab August von den Förderungen für Elektro-Pkw aus. Die EU hält an Zöllen von bis zu 45,3 Prozent fest.
Diese Barrieren könnten den Auslandsmotor genau in dem Moment abwürgen, in dem China selbst schwächelt. Im Mai 2026 fielen die chinesischen Einzelhandelsverkäufe von Elektrofahrzeugen um 22,1 Prozent. Die Aktie notiert derzeit 12,73 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 10,76 Euro – ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend noch nicht gedreht hat. Setzt sich die Exportbremse durch, droht ein Rückfall Richtung 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro, von dem der Kurs aktuell nur noch 16,91 Prozent entfernt ist.
Ausblick: Die Wegmarken für das dritte Quartal
Solange die monatlichen Auslandsverkäufe auf Kurs zum 1,6-Millionen-Ziel bleiben, dürfte der Markt den strukturellen Umbau als Erfolg werten. Bremsen EU-Zölle und die neuen südostasiatischen Importhürden das Exportwachstum jedoch spürbar ab, muss sich die Bewertung stärker am 22-prozentigen Einbruch im Heimatmarkt orientieren.
Ein Signal für echte technische Stabilisierung wäre ein nachhaltiger Sprung über den 50-Tage-Durchschnitt bei 9,96 Euro – aktuell liegt der Kurs noch 5,72 Prozent darunter. Als nächste konkrete Termine stehen die Präsentation von acht neuen Modellen beim Goodwood Festival of Speed im Juli sowie der Japan-Start des Elektro-Modells „RACCO“ am 28. Juli an, für den BYD 10.000 Erstbestellungen anpeilt.
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