Zweimal wollte BYD bei Renault einsteigen. Zweimal hat der französische Autobauer abgelehnt. Das berichtet die Wirtschaftszeitung Les Échos – und die Details zeigen, worum es den Chinesen eigentlich ging: nicht nur um Kapital, sondern um Kontrolle.
Zwei Anläufe, zwei Absagen
Der erste Vorstoß liegt rund zwei Jahre zurück. Damals führte noch Luca de Meo den Konzern. Renault hatte zu diesem Zeitpunkt bereits engere operative Bande mit dem chinesischen Rivalen Geely geknüpft, etwa bei gemeinsamer Produktion in Südkorea. Für weitere Deals in Europa, dem Kernmarkt des Konzerns, zeigte sich Renault damals nicht offen.
Der zweite Anlauf folgte im Herbst 2025, nach einem Treffen zwischen BYD-Europachefin Stella Li und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Das Angebot klang zunächst attraktiv: Renault hätte Zugang zu BYDs Technologie für Batterie-Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge erhalten, dazu Know-how in der Batteriefertigung. Im Gegenzug wollte sich BYD Produktionskapazitäten in Renault-Werken in Europa sichern.
Für BYD wäre das ein cleverer Schachzug gewesen. Die EU verhängt auf in China gebaute E-Autos Zölle von bis zu 45 Prozent. Eine Fertigung auf europäischem Boden hätte diese Hürde einfach umgangen.
Am Ende scheiterte der Deal am Umfang der Forderungen. „Es gab den Wunsch, die Kontrolle zu übernehmen“, zitiert Les Échos einen Insider. Renault lehnte beide Male ab – aus Prinzip, wie die Zeitung schreibt: Im europäischen Kernmarkt geht der Konzern solche Vereinbarungen grundsätzlich nicht ein.
Bemerkenswert: Gegen chinesisches Kapital an sich hat Renault nichts einzuwenden. Geely, BYDs größter heimischer Konkurrent, hält bereits 34 Prozent an Renault Korea Motors, stieg vergangenes Jahr bei Renault do Brasil ein und betreibt mit Renault und dem Ölkonzern Aramco das Gemeinschaftsunternehmen Horse Powertrain. Der Unterschied zu BYD liegt woanders: Geely wollte den Beifahrersitz. BYD wollte ans Steuer.
Der Markt reagiert prompt
Die Nachricht bewegte die Renault-Aktie sofort nach oben – ein Kursplus von 2 Prozent folgte auf den Bericht. Anleger werten die klare Haltung des Managements offenbar als Stärke, nicht als verpasste Chance.
Für BYD bedeutet die Absage einen Rückschlag zur Unruhezeit. Der Konzern sucht derzeit fieberhaft nach Alternativen für den Einstieg in die europäische Fertigung. Berichten zufolge steht eine Entscheidung über den Kauf eines bestehenden Autowerks in Europa kurz bevor, Spanien und Frankreich gelten als aussichtsreichste Standorte für eine sogenannte Brownfield-Investition – also die Übernahme einer bereits existierenden Fabrik statt eines Neubaus.
Ein solcher Zukauf wäre BYDs zweiter Pkw-Produktionsstandort in Europa. Das erste Werk in Szeged, Ungarn, befindet sich noch im Aufbau. Die Massenproduktion dort wird erst für das vierte Quartal 2026 erwartet.
Aktie erholt sich, bleibt aber tief im Minus
Die in Hongkong gelisteten H-Aktien von BYD schlossen am Freitag bei 9,55 Euro – ein Tagesgewinn von 3,23 Prozent. Der Erholung zum Trotz steht der Titel seit Jahresbeginn mit 12,83 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 27,11 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro aus dem Juli 2025 trennen die Aktie noch 35,48 Prozent.
Immerhin: Vom 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro aus dem späten Juni hat sich der Kurs bereits um 18,90 Prozent erholt. Der 14-Tage-RSI notiert mit 55,2 in neutralem Terrain. Die Aktie bewegt sich knapp unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 9,75 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,70 Euro.
Warum Europa für BYD alles ist
Der Fall Renault zeigt, wie zentral der Zugang zum europäischen Markt für BYDs globale Strategie geworden ist. Eine Brownfield-Übernahme würde dem Konzern eine deutlich schnellere Produktionsaufnahme erlauben als der jahrelange Hochlauf, den das Werk in Ungarn gerade durchläuft.
Renaults bestehende Partnerschaft mit Geely umfasst gemeinsame Fertigung in Busan und im brasilianischen Curitiba, dazu das Gemeinschaftsunternehmen Horse Powertrain für Verbrennungsmotoren von Renault, Dacia, Volvo und Nissan. Die BYD-Vorstöße fallen in eine Phase, in der chinesische Hersteller verstärkt europäische Fertigungsdeals suchen – auch mit Blick auf geplante „Made-in-Europe“-Regeln, die E-Auto-Förderungen und Investitionsgenehmigungen künftig an lokale Wertschöpfung knüpfen könnten.
Mit Renault als Option vom Tisch richtet sich der Blick nun auf Spanien und Frankreich. Ob BYD dort einen Standort findet, der lokale Fertigung ermöglicht, ohne dass der Konzern Kontrolle über Technologie oder Führung abgeben muss, bleibt offen.
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