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BYD Aktie: Racco mit über 700 Bestellungen

BYD bringt in Brasilien ein lokal gefertigtes Hybridmodell an den Start und verbucht in Japan über 700 Bestellungen für den Racco. Das Malaysia-Werk bleibt ungewiss.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Hybridmodell Song Pro in Brasilien vorgestellt
  • Racco: über 700 Bestellungen in Japan
  • Malaysia-Werk: Entscheidung weiter offen
  • Aktie gibt trotz Expansion leicht nach

BYD treibt seine internationale Expansion an zwei Fronten gleichzeitig voran. In Brasilien hat der chinesische Autobauer am heutigen Dienstag sein erstes lokal gefertigtes Plug-in-Hybridmodell mit Flex-Fuel-Technik vorgestellt, in Japan meldet die neue Kei-Car-Baureihe Racco bereits über 700 Bestellungen. Parallel bleibt die Zukunft eines geplanten Werks in Malaysia weiter offen.

Song Pro startet in Brasilien mit Flex-Antrieb

Mit dem Song Pro Super-Híbrido Flex Fuel bringt BYD sein erstes in Brasilien gebautes Plug-in-Hybridfahrzeug auf den Markt, das wahlweise mit Strom, Benzin oder Ethanol fährt. Die Investition in die neue Antriebsvariante beziffert das Unternehmen auf umgerechnet rund 19,6 Millionen Dollar. Gefertigt wird das Modell im Werk Camaçari im Bundesstaat Bahia, wo BYD insgesamt 5,5 Milliarden Real investiert. Bis Januar 2027 soll der Lokalisierungsgrad auf über 50 Prozent steigen.

Die Preise starten laut der brasilianischen Zeitung Estadão bei 176.990 Real für die Basisversion GL und reichen bis 199.990 Real für die GS-Ausstattung, die mit 219 PS Systemleistung und einer größeren 18,3-kWh-Batterie antritt. Für dieses Jahr plant BYD eine Produktion von 180.000 Fahrzeugen am Standort, von den rund 200.000 für 2026 avisierten Verkäufen in Brasilien entfallen 150.000 auf das laufende Jahr. Ausgeliefert wird der Song Pro ab September.

Der Zeitpunkt des Launches passt zum Momentum der Marke im Land: Im Juli setzte BYD in Brasilien 23.465 Fahrzeuge ab, ein Plus von 142 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 9.680 Einheiten. Damit rückt der Hersteller mit einem Marktanteil von 9,1 Prozent auf Platz vier der brasilianischen Zulassungsstatistik vor. Für Anleger ist das ein Signal, dass BYD seine Wachstumsstrategie in Lateinamerika nicht nur über reine Elektrofahrzeuge, sondern gezielt über lokal angepasste Hybridtechnik vorantreibt – eine Antwort auf die in Brasilien tief verwurzelte Ethanol-Infrastruktur.

Racco sammelt in Japan erste Bestellwelle ein

In Japan hat BYD mit dem Racco erstmals ein Kei-Car im Programm, jenes kompakte Fahrzeugsegment, das den japanischen Markt traditionell dominiert und bislang von einheimischen Herstellern beherrscht wurde. Seit dem Marktstart am 28. Juli zählt BYD bereits mehr als 700 Bestellungen, im Juli kamen 125 Neuzulassungen hinzu. Die Reichweite liegt je nach Ausstattung bei 210 Kilometern für die Basisversion und 320 Kilometern für die höherwertigen Trimlevel 300Plus und 300Premium, jeweils nach dem WLTC-Zyklus gemessen.

Preislich positioniert sich der Racco mit rund 2,145 Millionen Yen vor Förderung und rechnerisch 1,995 Millionen Yen nach Abzug der Subvention unterhalb der etablierten Konkurrenz: Nissan verlangt für den Sakura umgerechnet mehr, Honda für den N-One e: ebenfalls. Die Analysten von The Motley Fool sehen in diesem Vorstoß eine Chance, dass BYD sich neue Märkte erschließt, werfen aber zugleich die Frage auf, ob die Aktie angesichts der Bewertung noch ein Kauf ist. Auch Suzuki reagiert bereits auf den Konkurrenzdruck und kündigte an, ein eigenes Elektro-Kei-Car bis 2027 nach Europa zu bringen – mit Batterien eines BYD-nahen Zulieferers.

Malaysia-Werk bleibt in der Schwebe

Weniger eindeutig verläuft die Expansion in Malaysia. Das dortige Handelsministerium MITI erklärte am heutigen Dienstag, es habe noch keine offizielle Mitteilung von BYD zum Status des geplanten Werks in Tanjung Malim erhalten. Minister Johari betonte, die Entscheidung liege allein bei BYD als kommerzieller Akteur, die Regierung habe für den Bau lokaler Elektrofahrzeuge Anreize wie Befreiungen von Import-, Verbrauchs- und Verkaufssteuern bis zum 31. Dezember 2027 geschaffen. Minister Nga Kor Ming bot sich unterdessen als Vermittler zwischen Landes- und Bundesregierung an, um BYD am Standort Perak zu halten.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse zeigt sich die BYD-Aktie von der Nachrichtenlage bislang wenig beeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 10,32 Euro und gibt am heutigen Handelstag um 1,21 Prozent nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,96 Prozent zu Buche, und binnen 30 Tagen hat sich der Kurs um 10,57 Prozent verteuert. Zum gleitenden 200-Tage-Durchschnitt liegt der aktuelle Kurs mit einem Abstand von minus 2,07 Prozent noch leicht im Rückstand. Die operative Dynamik in Brasilien und Japan liefert damit zwar positive Signale, an der spürbaren Kurserholung der vergangenen Wochen ändert die Produktoffensive vom heutigen Tag zunächst nichts Grundlegendes.

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Diskussion zu BYD

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.