BYD schafft einen Meilenstein und bekommt ihn gleich von der eigenen Marktlage relativiert. Der chinesische Autobauer klettert erstmals unter die Top 100 der Fortune Global 500 – doch daheim in China bröckelt das Wachstum. Ein Widerspruch, der die aktuelle Lage des Konzerns gut zusammenfasst.
Fortune-Ranking und Rekordumsatz
Am 28. Juli 2026 rückte BYD auf Platz 91 der Fortune Global 500 vor. Es ist das fünfte Jahr in Folge auf der Liste – und der erste Sprung in die Top 100 überhaupt. Basis dafür ist ein starkes Geschäftsjahr 2025: Der Umsatz erreichte umgerechnet rund 103 Milliarden Euro, der Nettogewinn lag bei 32,6 Milliarden Yuan.
Die Aktie reagiert an diesem Mittwoch mit einem Plus von 2,44 Prozent auf 10,40 Euro. Vom 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro Ende Juni hat sich das Papier damit deutlich erholt. Zum bisherigen Jahreshoch von 14,25 Euro aus dem Juli 2025 fehlen aber weiterhin rund 27 Prozent.
Neuer Angriff auf den japanischen Kei-Car-Markt
Am selben Tag startete BYD in Tokio den Verkauf des „Racco“ – eines Kleinstwagens für die japanische Kei-Car-Klasse. Dieses Segment macht knapp 40 Prozent aller Neuwagenverkäufe in Japan aus, ein hart umkämpfter Markt mit etablierten Platzhirschen.
Der Einstiegspreis liegt bei knapp 2,15 Millionen Yen, umgerechnet etwa 13.000 US-Dollar. Nach staatlichen Subventionen soll der Wagen für unter 2 Millionen Yen zu haben sein. Mit einer Mindestreichweite von 210 Kilometern tritt der Racco direkt gegen den Nissan Sakura an, den bisherigen Platzhirsch der Klasse. BYD peilt einen Absatz von 10.000 Einheiten pro Jahr in Japan an – ambitioniert, aber überschaubar gegenüber den Gesamtverkäufen des Konzerns.
Patent für Feststoffbatterie
Parallel zum Markteintritt treibt BYD die Batterieforschung voran. Die chinesische Patentbehörde CNIPA veröffentlichte am 28. Juli ein neues BYD-Patent für eine Feststoffbatterie-Kathode. Die Konstruktion kombiniert Halogenid- und Sulfid-Elektrolyte, um die Stabilität an den Materialgrenzflächen während der Ladezyklen zu verbessern.
Die Forschungsausgaben untermauern diesen Fokus. 2025 investierte BYD 63,4 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im ersten Quartal 2026 kamen weitere 11,3 Milliarden Yuan hinzu. Damit bleibt BYD einer der forschungsintensivsten Autobauer Chinas.
Globales Wachstum, schwächelnde Heimatnachfrage
Im Juli 2026 lief zudem das 17-millionste New-Energy-Fahrzeug vom Band. Im brasilianischen Bahia-Komplex erreichte die Produktion diesen Monat die Marke von 100.000 Fahrzeugen. In Pakistan geht die Montagefabrik in Gharo mit einem Investitionsvolumen von 150 Millionen US-Dollar in die letzte Bauphase – das erste dort gefertigte Fahrzeug wird bereits für August 2026 erwartet.
Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte BYD kumuliert mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge. Die weltweiten Gesamtauslieferungen lagen damit allerdings unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der Auslandsanteil am Geschäft wächst spürbar, während die Nachfrage in China selbst abkühlt und der Wettbewerb dort zunimmt.
Charttechnisch zeigt sich das Papier robust: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 9,52 Euro, aktuell notiert die Aktie fast 10 Prozent darüber. Der RSI von 64,7 signalisiert keine akute Überhitzung, lässt aber auch keinen Raum für Selbstzufriedenheit. Ob die Auslandsexpansion die schwächere Heimatnachfrage auf Dauer kompensieren kann, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen.
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