Die BYD-Aktie notiert nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief. Pentagon-Liste, Umweltermittlungen in Ungarn und ein drohender SUV-Überangebotim Elektrofahrzeugmarkt — das Papier kämpft gerade an mehreren Fronten gleichzeitig.
UBS hebt Kursziel an — der Markt reagiert nicht
UBS bleibt optimistisch. Die Investmentbank erhöhte ihr Kursziel für die in Hongkong notierten H-Aktien von 128 auf 135 HKD und bestätigte das „Buy“-Rating. Begründung: Die Inlandsverkäufe legten im Mai erstmals seit September 2025 wieder im Jahresvergleich zu.
An der Börse kommt das nicht an. Die Aktie schloss am Freitag bei 8,90 Euro — nur 0,85 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 18. Juni. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 19 Prozent verloren, über zwölf Monate sogar rund 37 Prozent. Der RSI liegt bei 25,6 und signalisiert damit überverkaufte Bedingungen.
Ermittlungen in Ungarn belasten das Europaprojekt
BYDs erstes EU-Werk entsteht in Szeged, Ungarn. Nun steht das Projekt unter Druck. Ungarische Behörden und Polizei ermitteln wegen des Verdachts auf illegale Entsorgung von Erdreich mit erhöhten Alkylbenzol-Werten.
Die Kreisverwaltung Csongrád-Csanád erstattete im Mai Anzeige. Umweltminister Gajdos László stellte klar, dass die Regierung Verstöße nicht dulden werde. BYD-Vizepräsidentin Stella Li wies die Vorwürfe auf einer Konferenz in Belgrad als „falsch“ zurück. Das Unternehmen hat Anwälte eingeschaltet. Am Produktionsstart im vierten Quartal 2026 hält BYD bislang fest.
Pentagon, SUV-Flut, Margenrisiko
Hinzu kommt eine Empfehlung des US-Verteidigungsministeriums. Vizeminister Stephen Feinberg schlug dem Kongress vor, BYD auf eine Liste von Unternehmen zu setzen, die angeblich das chinesische Militär unterstützen. Das könnte BYDs internationale Expansion erschweren.
Parallel warnen Analysten vor einem Überangebot im SUV-Segment. Allein 2026 sollen mindestens 20 große Elektro-SUVs auf den Markt kommen — viele davon von BYD und Xpeng. Kurze Produktzyklen und aggressive Rabatte könnten die Margen drücken. CEO Wang Chuanfu reagiert mit einer internen Umstrukturierung: Die Submarken Dynasty, Ocean und Denza werden künftig eigenverantwortlich für ihre Gewinne und Verluste.
Starke Basis, schwaches Sentiment
Im chinesischen Markt für Elektro- und Hybridfahrzeuge erreichte die Durchdringungsrate im Juni rund 65 Prozent. BYD dominiert diesen Markt. Außerdem sicherte sich das Unternehmen einen ersten Erstausrüster-Liefervertrag mit dem südkoreanischen Reifenhersteller Nexen Tire für die Modelle Seal 6 und Dolphin.
Die Aktie notiert aktuell rund 18,5 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 10,92 Euro. Ob die Ermittlungen in Ungarn das Werk verzögern und ob die Pentagon-Empfehlung formell umgesetzt wird, entscheidet mit darüber, wie lange der Abstand zu diesem Durchschnitt bestehen bleibt.
