Der chinesische Automobilkonzern BYD baut seine Marktposition auf dem europäischen Kontinent deutlich aus. Wie Daten des Branchenverbands ACEA zeigen, übertraf der Absatz von BYD-Fahrzeugen im August das Niveau des Vorjahresmonats um fast das Zwei- bis Dreifache. Der gemeinsame Marktanteil chinesischer Automarken stieg dabei auf 11,3 Prozent nach 7,1 Prozent im Vorjahr.
Am Kapitalmarkt spiegeln sich diese Absatzerfolge bisher kaum wider. Am Freitag ging die BYD-Aktie mit einem leichten Minus von 0,8 Prozent bei 8,84 Euro aus dem Handel. Auf Jahressicht summieren sich die Einbußen des Titels auf 17 Prozent, da geopolitische Risiken und Handelskonflikte die Anlegerstimmung weiterhin dämpfen.
Schnelles Laden und Netzausbau bis 2028
Parallel zum Vertriebserfolg rüstet BYD technisch auf. Ein neues Schnellladesystem des Konzerns ermöglicht es, Batterien in neun Minuten von 10 auf 97 Prozent aufzuladen, wie Reuters am Donnerstag berichtete. Die Technologie soll die Alltagstauglichkeit der Stromer entscheidend verbessern und Kunden die Sorge vor langen Ladezeiten nehmen.
Auch bei der Infrastruktur plant der Hersteller massive Investitionen. Laut Einschätzung der Deutschen Bank, die sich auf ein Treffen mit dem Management beruft, will das Unternehmen bis 2028 rund 90.000 Ladestationen errichten. Mit diesem Vorstoß will sich der Konzern frühzeitig einen Platz im margenstarken Dienstleistungssektor sichern.
Brüsseler Pläne und lokale Fertigung
Trotz des rasanten Wachstums wachsen die handelspolitischen Hürden in Europa. Nach Informationen der Financial Times prüft die Europäische Union eine Maßnahme, die den Import chinesischer Plug-in-Hybride auf einen Marktanteil von 15 Prozent begrenzen könnte. Dieser Schritt wird demnach als Alternative zu weiteren Strafzöllen diskutiert.
BYD bereitet sich bereits auf strengere Vorgaben vor und setzt auf eine Verlagerung der Wertschöpfung. Der europäische Berater Alfredo Altavilla erklärte, das Unternehmen wolle bis zum Jahresende über einen zweiten europäischen Produktionsstandort entscheiden.
Perspektivisch strebt der Autobauer drei Montagewerke und eine eigene Batteriefabrik in Europa an, wobei Spanien und Frankreich als bevorzugte Standorte für die Übernahme bestehender Anlagen gelten. Bereits ab 2027 will BYD zudem schwere Nutzfahrzeuge auf den europäischen Markt bringen und diese langfristig ebenfalls vor Ort fertigen.
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