BYD hat im Juli mit 419.211 verkauften Fahrzeugen ein Absatzplus von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erzielt. Damit führt der chinesische Elektroautobauer die monatliche NEV-Verkaufsstatistik bereits seit 62 Monaten in Folge an. Der eigentliche Treiber der Zahlen liegt jedoch nicht in China selbst, sondern im Ausland: Mit 179.841 exportierten Fahrzeugen wuchsen die Überseeverkäufe um 124,3 Prozent und machten erstmals mehr als 40 Prozent des Gesamtabsatzes aus.
Export als Wachstumsmotor, Inland lahmt
Von den insgesamt verkauften Fahrzeugen entfielen 411.072 auf Personenwagen, davon 233.105 vollelektrische Modelle mit einem Plus von 31 Prozent sowie 177.967 Plug-in-Hybride mit einem Zuwachs von 9 Prozent. Der Inlandsabsatz kam dagegen nur auf ein Plus von rund 3 Prozent gegenüber dem Vormonat – ein deutliches Zeichen dafür, dass der anhaltende Preiskampf auf dem chinesischen Heimatmarkt spürbar auf die Marge drückt. Seit Jahresbeginn ist der durchschnittliche Verkaufspreis von BYD um 8 Prozent gesunken. Für die ersten sieben Monate summiert sich der Überseeabsatz auf rund 969.000 Fahrzeuge, kumuliert kommt BYD damit auf etwa 2,22 Millionen verkaufte Einheiten.
Der chinesische Automarkt insgesamt schrumpfte im ersten Halbjahr um 4,1 Prozent auf rund 15 Millionen Fahrzeuge. Während der Inlandsabsatz um 21,1 Prozent einbrach, legten die Exporte landesweit um 65,3 Prozent zu – ein Muster, das sich auch bei Wettbewerbern zeigt. Geely steigerte seinen Juli-Absatz auf 250.161 Einheiten, wobei die Exporte um 202 Prozent zulegten, Chery kam auf 276.820 verkaufte Fahrzeuge mit einem Exportanteil von 73,2 Prozent. Auch andere chinesische Elektroautohersteller kämpften im Juli mit rückläufigen Zahlen: Xpeng verzeichnete ein Minus von 5,2 Prozent, Nio von 11,5 Prozent und Li Auto von 1,4 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Jahresziel erfordert Kraftakt im zweiten Halbjahr
BYD hat sich für das laufende Jahr ein Absatzziel von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen gesetzt. Um diese Marke zu erreichen, müsste das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte im Schnitt monatlich rund 530.000 Fahrzeuge verkaufen – deutlich mehr als im bisherigen Rekordmonat Juli. Die Analysten von Citi haben ihre Prognose für den chinesischen Inlandsabsatz von BYD bereits von 3,1 auf 2,8 Millionen Fahrzeuge gesenkt und verweisen auf den Preisdruck im Heimatmarkt sowie auf Zollrisiken in der EU und in Südamerika.
Auf internationaler Ebene setzt BYD parallel auf neue Modelle und Märkte: In Japan startete Ende Juli der Kleinwagen RACCO, der innerhalb von drei Tagen rund 100 Bestellungen verzeichnete. Zudem erweitert das Unternehmen sein Portfolio um Modelle wie Tang, Seal 08 und den Denza Z9S. Am vergangenen Wochenende eröffnete BYD zudem seinen ersten Robot-Showroom in Shenzhen mit Modellen wie Worker-B, Service-D und Spark – bis Jahresende sollen fünf weitere folgen. Das Segment bleibt für den Konzernumsatz vorerst eine Randnotiz, signalisiert aber die Diversifizierungsstrategie über das Kerngeschäft Automobil hinaus.
Kurs bleibt unter Druck, Bewertung gemischt
Am Tag der Absatzmeldung reagierte die BYD-Aktie an der Börse in Shenzhen mit einem Rückgang von 2,3 Prozent – ein Hinweis darauf, dass Anleger die Inlandsschwäche stärker gewichten als den Exportrekord. Im europäischen Handel notiert das Papier aktuell bei 10,35 Euro und gibt am heutigen Dienstag um 0,94 Prozent nach. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro, das Ende August vergangenen Jahres erreicht wurde, fehlen der Aktie damit noch knapp 22 Prozent. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 95,11 Milliarden Euro.
Auf Basis der Hongkonger Notierung attestiert eine aktuelle Bewertungsanalyse der Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27,2, während der Branchenschnitt bei 29,7 und der breitere Automobilsektor bei 13,2 liegt. Ein Bewertungsmodell errechnet einen fairen Wert von 14,8 – die Aktie erscheint demnach auf Ertragsbasis eher hoch bewertet, trotz der operativen Exportstärke. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob BYD den Spagat zwischen Preiskampf im Inland und Wachstumsschub im Ausland bis Jahresende in ausreichendem Tempo bewältigt.
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