Im Juni klaffen bei BYD Realität und Stimmung auseinander. Der Konzern steigerte seine weltweiten Verkäufe um knapp sechs Prozent auf 403.472 Fahrzeuge. Dieser Zuwachs stammt fast ausschließlich aus dem Export.
Das internationale Geschäft legte massiv zu. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelten sich die Auslandsverschiffungen nahezu auf rund 175.000 Autos. Im Heimatmarkt China brachen die Auslieferungen dagegen um fast ein Viertel ein.
Der Auslandsanteil liegt nun bei rund 43 Prozent. BYD steckt in einem rasanten strukturellen Umbau.
Die entscheidende Profitabilitätsfrage
Der zentrale Faktor für die künftige Entwicklung ist die Gewinnmarge. Kann die rasante Expansion im Ausland den Preiskrieg in China schnell genug ausgleichen? Im ersten Quartal fiel der Nettogewinn um gut 55 Prozent. Die aktuellen Exportzahlen reichen offenbar noch nicht aus. Sie müssen erst eine Schwelle erreichen, um den heimischen Margenverfall zu stoppen.
Bullen-Szenario: Technologie und Expansion
BYD dominiert das Segment der reinen Elektroautos wieder. Im zweiten Quartal lieferte das Unternehmen rund 557.000 Fahrzeuge aus. Damit holte sich BYD die weltweite Verkaufskrone von Tesla zurück.
Ein weiterer Treiber ist der neue Seal 08. Das Modell feierte Anfang Juli seine Premiere. Es nutzt standardmäßig eine neue Schnellladetechnik.
Parallel dazu baut BYD seine internationale Präsenz aus. Das ungarische Werk soll im vierten Quartal die Montage starten. Das Management prüft außerdem Standorte für eine zweite Fabrik in Europa. Frankreich und Spanien gelten als Favoriten. Eine lokale Produktion könnte drohende Zölle umgehen. Zusätzlich expandiert der Konzern im Energiespeicher-Sektor mit einem polnischen Großprojekt.
Die Börse honoriert diese Schritte. Die Aktie kletterte in den vergangenen sieben Tagen um 7,6 Prozent. Sie notiert nach dem gestrigen Handelsschluss bei 8,92 Euro. Das Papier löste sich damit deutlich vom jüngsten 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro.
Bären-Szenario: Schwacher Heimatmarkt
Das größte Risiko bleibt der schwächelnde chinesische Markt. Der Absatzrückgang im Juni zeigt die harte Realität. Auch ein Branchenprimus spürt die abkühlende Nachfrage und den aggressiven Wettbewerb.
Zur Jahresmitte standen 1,81 Millionen verkaufte Einheiten in den Büchern. Das entspricht einem Minus von fast 16 Prozent. Seit sechs Jahren musste der Konzern keinen solchen Halbjahresrückgang mehr hinnehmen. Die Folge: BYD könnte seine Jahresziele verfehlen.
Geopolitische Spannungen erschweren die Lage zusätzlich. Ein Beispiel ist die gestoppte Fabrik in der Türkei. Hier fielen vereinbarte Steuervorteile weg.
Technisch sieht das Bild ebenfalls trüb aus. Die Aktie steckt in einem langfristigen Abwärtstrend. Sie notiert spürbar unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 19 Prozent auf der Kurstafel. Der Abstand zum jüngsten Hoch beträgt fast 40 Prozent.
Ausblick für das zweite Halbjahr
BYD muss beweisen, dass die internationalen Margen die heimischen übertreffen. Nur so lässt sich die aktuelle Bewertung rechtfertigen. Wichtig wird dabei der reibungslose Übergang zur neuen Batteriegeneration. Bestehende Lieferengpässe müssen in den kommenden Monaten verschwinden.
Der kommende Quartalsbericht könnte eine Trendwende markieren. Die Deutsche Bank erwartet einen Gewinnsprung von 145 Prozent zum Vorquartal. Tritt dies ein, könnte das Tief bei 8,03 Euro einen festen Boden bilden. Ein schwacher Juli in China würde den Kurs aber weiter belasten.
Der nächste konkrete Katalysator steht Mitte Juli an. Auf dem Goodwood Festival of Speed präsentiert BYD acht neue Fahrzeuge. Darunter sind Europapremieren für Modelle der Marken Denza und Yangwang. Ein starkes Interesse der europäischen Kunden entscheidet maßgeblich über das nächste Etappenziel. Nur so kann der Konzern die Marke von 1,5 Millionen Auslandskäufen bis Jahresende erreichen.
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