BYD hat im ersten Halbjahr 2026 einen Rekord bei Auslandslieferungen aufgestellt, während das Geschäft in China unter Druck bleibt. Die Übersee-Verkäufe sprangen um 71 Prozent auf mehr als 790.000 Fahrzeuge und machen inzwischen 44 Prozent der Gesamtverkäufe aus. Für das Gesamtjahr peilt der chinesische Autobauer nach eigenen Angaben gegenüber Analysten 1,5 Millionen Fahrzeugexporte an.
Die am Freitag vom Board gebilligten Halbjahreszahlen zeigen jedoch, wie stark der Heimatmarkt das Konzernergebnis belastet. Der Umsatz sank um 7,13 Prozent auf 344,82 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 50,9 Milliarden Dollar. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn brach im ersten Halbjahr um 20,54 Prozent auf 12,33 Milliarden Yuan ein.
Im zweiten Quartal allein zog das Nettoergebnis dagegen erstmals seit fünf Quartalen wieder an: Es stieg im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 8,2 Milliarden Yuan, während der Quartalsumsatz überraschend um rund 3 Prozent auf 194,6 Milliarden Yuan zurückging.
Gewinnerholung bleibt hinter Erwartungen zurück
Die Erholung im zweiten Quartal reichte nicht an das heran, was der Markt erwartet hatte. Morgan Stanley, UBS, Citi, Deutsche Bank und CMBI hatten zusammengenommen mit einem Gewinnsprung von rund 48 Prozent gerechnet – tatsächlich erreichte BYD nur etwa 30 Prozent.
Das Auseinanderfallen von Exportboom und Konzernrentabilität bleibt damit das zentrale Thema für Anleger: Die steigende Auslandsnachfrage und der Trend zu teureren Modellen konnten den Abschwung im chinesischen Kerngeschäft nur teilweise kompensieren.
An der Börse zeigte sich diese durchwachsene Bilanz zuletzt in einer Seitwärtsbewegung mit leichter Abwärtstendenz. Die Aktie schloss am Freitag bei 9,92 Euro, ein Minus von 0,4 Prozent auf Tagesbasis.
Auf Wochensicht verlor das Papier 2,2 Prozent, über die vergangenen zwölf Monate summiert sich der Rückgang auf 21 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,99 Euro, erreicht Ende August 2025, trennen den Titel inzwischen 24 Prozent.
Modelloffensive und internationale Präsenz als Gegengewicht
Parallel zu den Zahlen treibt BYD seine Produktpalette weiter voran. Erst am 22. August brachte der Konzern mit dem Da Han eine neue Flaggschiff-Limousine mit Fünf-Minuten-Schnellladetechnik und einer Reichweite von 1.008 Kilometern nach CLTC-Zyklus auf den Markt, zu einem Einstiegspreis von unter 52.000 australischen Dollar. Die Auslieferungen sollen in den kommenden Wochen beginnen.
Zugleich baut BYD seine internationale Sichtbarkeit aus: Der Hersteller ist zum dritten Mal in Folge auf der British Motor Show 2026 vertreten und präsentiert gemeinsam mit der Marke Denza neue Modelle beim CarFest 2026. In Großbritannien hatte BYD bereits Ende Juli die Marke von 100.000 Neuzulassungen überschritten. Im Ranking der Fortune Global 500 belegte der Konzern zuletzt Platz 91 und ist damit im fünften Jahr in Folge auf der Liste vertreten.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die Exportdynamik ausreicht, um die Schwäche im chinesischen Heimatmarkt dauerhaft aufzufangen. Die aktuellen Zahlen liefern darauf noch keine eindeutige Antwort – die Kluft zwischen Auslandswachstum und Konzernrentabilität hat sich im zweiten Quartal zwar verringert, bleibt aber deutlich sichtbar.
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