BYD legt in Europa rasant zu — und die Aktie fällt trotzdem auf ein neues Mehrjahrestief. Dieser Widerspruch erklärt, warum der Kurs gerade so unter Druck steht.
Marktanteil in Europa verdoppelt
Die Mai-Zahlen des europäischen Automobilverbands ACEA sind für BYD bemerkenswert. Der chinesische Hersteller registrierte in Europa 32.380 Fahrzeuge — ein Zuwachs von über 136 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Marktanteil kletterte von 1,2 auf 2,8 Prozent. In den ersten fünf Monaten 2026 verkaufte BYD bereits 135.307 Fahrzeuge auf dem Kontinent, gut 145 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025.
Tesla legte zwar ebenfalls stark zu, BYD übertraf den US-Konkurrenten beim europäischen Marktanteil im Mai. Beide profitieren vom strukturellen Wandel: Rein batterieelektrische Fahrzeuge kamen im Mai auf einen EU-Marktanteil von 21,3 Prozent — gegenüber 15,4 Prozent ein Jahr zuvor.
Chinas Heimatmarkt drückt den Kurs
Das Europageschäft ist aber noch zu klein, um das eigentliche Problem zu überdecken. Der chinesische Heimatmarkt bleibt für BYD bei weitem der wichtigste Absatzkanal — und dort lastet ein erheblicher Wettbewerbs- und Margendruck auf dem Unternehmen. Gewinneinbußen auf dem Heimatmarkt lassen sich durch wachsende Auslandsverkäufe derzeit nicht ausgleichen.
Charttechnisch hat die Aktie an der Hongkonger Börse mit dem Fall unter die Unterstützungszone um 90 Hongkong-Dollar eine wichtige Schwelle verloren. Technische Indikatoren wie der MACD deuten auf eine anhaltende Abwärtsdynamik hin. Die nächste relevante Unterstützungszone liegt bei rund 70 Hongkong-Dollar — das entspräche einem weiteren Rückgang von knapp 10 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Expansionspotenzial als Gegengewicht
Das wachsende Europa-Geschäft ist kein Trost für laufende Verluste, wohl aber ein Signal für mittelfristiges Potenzial. BYD gewinnt bei europäischen Verbrauchern an Akzeptanz — auf Kosten etablierter Marken wie Volkswagen, Renault und Stellantis-Modellen. Sollten sich die Zulassungszahlen in den kommenden Quartalen weiter so entwickeln, könnte Europa zum echten Korrektiv für die Heimatmarktprobleme werden.
Bis dahin bleibt die Aktie charttechnisch angeschlagen. Ein nachhaltiger Stimmungsumschwung setzt einen stabilen Boden voraus — den hat BYD noch nicht gefunden.
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