BYD-Aktien springen um 5,29 Prozent auf 9,05 Euro und setzen damit die Erholung vom 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro fort, das erst am Dienstag markiert wurde. Auf Wochensicht steht ein Plus von 5,91 Prozent zu Buche. Zwei Nachrichten treiben den Kurs: frische Verkaufszahlen zeigen den zweiten Monat in Folge mit globalem Wachstum, und der Konzern rückt einem Entscheid über einen neuen Produktionsstandort in Europa näher.
Trotz der Rally bleibt die Aktie 38,82 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 14,80 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 17,34 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar 31,43 Prozent. Die technische Ausgangslage bleibt also angeschlagen, auch wenn der jüngste Sprung Hoffnung macht.
Die entscheidende Frage
Kann das Exportgeschäft die Schwäche im Heimatmarkt lange genug ausgleichen, um die Margen zu stabilisieren? Oder frisst der heimische Preiskrieg die Profitabilität schneller auf, als das Auslandsgeschäft kompensieren kann? Genau daran entscheidet sich, ob die aktuelle Erholung trägt.
Die Zahlen zeigen ein gespaltenes Bild. BYDs Auslandsverkäufe schossen im Juni um 94,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 175.349 Fahrzeuge nach oben. In China dagegen brachen die Verkäufe um 22 Prozent ein — bereits die x-te Monatsrückgang in Folge seit Mai 2025.
Das bullische Szenario
Die Wachstumsserie im Export gibt Optimisten Argumente. Die Gesamtverkäufe stiegen im vergangenen Monat um 5,5 Prozent auf 403.472 Fahrzeuge, nach einem Plus von 0,3 Prozent im Mai. Damit endete eine Serie von acht rückläufigen Monaten in Folge. Zwei Wachstumsmonate nacheinander deuten darauf hin, dass sich die Talfahrt im Heimatmarkt zumindest verlangsamt.
Europa entwickelt sich dabei zu mehr als einem Einmaleffekt. Die europäischen Verkaufszahlen stiegen 2025 um 270 Prozent auf fast 188.000 Fahrzeuge. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres verdoppelten sie sich erneut auf über 100.000 Einheiten.
Um diese Nachfrage künftig lokal zu bedienen und den kommenden EU-Regeln zum lokalen Wertschöpfungsanteil zuvorzukommen, steht BYD kurz vor einer Entscheidung zur Übernahme eines bestehenden europäischen Autowerks. Der Sonderberater des Konzerns für Europa sprach von einer Entscheidung, die „sehr bald fallen muss“. Spanien und Frankreich gelten als Kandidaten für sogenannte Brownfield-Investments — die Übernahme einer bestehenden Fabrik von einem traditionellen Autobauer. Zwei interne Teams prüfen aktiv mögliche Standorte. Eine bestätigte Übernahme wäre ein konkreter Schritt über das bestehende Werk in Ungarn hinaus.
Auch die Charttechnik liefert Argumente für die Optimisten. Der RSI liegt bei 46,8 und damit im neutralen Bereich, weder überkauft noch überverkauft. Das lässt Raum für weitere Kursgewinne, sollte sich die Stimmung weiter aufhellen. Der Bounce vom Tief bei 8,03 Euro — erst zwei Handelstage alt — deutet auf frisches Kaufinteresse bei gedrückten Bewertungen hin.
Das bärische Szenario
Im Heimatmarkt sieht die Lage deutlich trüber aus. Auslaufende staatliche Förderungen, eine anhaltende Immobilienkrise mit Folgen für das Konsumentenvertrauen und hohe Lagerbestände bei den Händlern belasten die Nachfrage. Prognosen gehen inzwischen von einem Rückgang der chinesischen Autoverkäufe um 11 Prozent für dieses Jahr aus — eine deutliche Verschärfung gegenüber der zuvor erwarteten Schrumpfung von nur 1 Prozent.
BYD steht mit diesem Problem nicht allein da. Auch Leapmotor, Li Auto und Xiaomi geraten unter Druck, weil sich der Preiskampf verschärft und die Nachfrage insgesamt schwächelt. Das bedeutet: Die branchenweite Margenkompression dürfte sich nicht schnell auflösen.
Der Preiskrieg selbst zieht sich bereits seit fast zwei Jahren hin, ohne ein Ende in Sicht. BYD senkt weiter die Preise, Konkurrenten wie Geely und Chery ziehen nach. Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital ist auf 25 Prozent gestiegen — nach vier Jahren mit negativer Nettoverschuldung. Ein Grund: Peking zwang den Konzern, sein IOU-basiertes Zahlungssystem gegenüber Zulieferern aufzugeben. Zudem verbuchte BYD den ersten jährlichen Gewinnrückgang seit der Pandemie. Konzernchef Wang Chuanfu beschrieb die Branche als in einer „brutalen Ausscheidungsphase“.
Auch charttechnisch bleibt Vorsicht angebracht. Die Aktie notiert 9,43 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt bei 10,00 Euro und 15,92 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt bei 10,77 Euro. Beide Trends zeigen weiter nach unten — die aktuelle Erholung hat das mittelfristige Bild also noch nicht gedreht.
Der geplante Werksdeal in Europa bleibt zudem eine Option in Prüfung, kein unterschriebener Vertrag. Weder Standort noch Zeitplan noch Investitionssumme sind bestätigt. Das Ausführungsrisiko bleibt damit offen.
Ausblick
Hält der Export sein Wachstumstempo und verlangsamt sich der Rückgang in China weiter, gewinnt das Szenario einer nachhaltigen Erholung Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei rund 10 Euro an Substanz. Setzt sich der Rückgang von 22 Prozent in China dagegen fort oder verschärft sich der Preiskrieg mit neuen Rabattrunden, droht die jüngste Erholung wieder Richtung Jahrestief bei 8,03 Euro abzurutschen.
Zwei Termine dürften den nächsten Kursimpuls liefern: die Bestätigung der europäischen Werksentscheidung, die laut BYDs eigenem Europa-Berater unmittelbar bevorsteht, und die Verkaufszahlen für Juli. Erst dann zeigt sich, ob der Exportsprung im Juni eine echte Wende markiert — oder nur ein vorübergehendes Gegengewicht zur heimischen Schwäche war.
BYD-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BYD-Analyse vom 2. Juli liefert die Antwort:
Die neusten BYD-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BYD-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BYD: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
