BYD baut sein europäisches Standbein systematisch aus. Der chinesische Autobauer plant langfristig vier Werke auf dem Kontinent – drei Fahrzeugmontagewerke und eine Batteriefabrik.
Über einen zweiten Montagestandort will BYD bis Jahresende entscheiden, wobei Spanien und Frankreich als Favoriten gelten und Italien als „Plan B“ im Gespräch ist, wie Europa-Berater Altavilla in Turin bestätigte.
Der Hintergrund der Investitionen ist klar: Die EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge zwingen BYD zur lokalen Fertigung. Zugleich verschärft Brüssel den Druck weiter – die EU fordert China auf, Hybrid-Exporte freiwillig auf rund 15 Prozent Marktanteil zu begrenzen, nachdem sich die Importe von 3.800 Fahrzeugen im Oktober 2024 auf 50.000 im Juli 2026 mehr als verzehnfacht haben.
Kommissionspräsidentin von der Leyen bezifferte das EU-Handelsdefizit mit China auf rund eine Milliarde Euro täglich. Peking soll bis Oktober liefern.
Auslandsabsatz wächst rasant
Während die Regulierungsdebatte weitergeht, liefert BYD operativ starke Zahlen. Von Januar bis August 2026 verkaufte der Konzern im Ausland 1.162.260 Fahrzeuge – ein Plus von 85,72 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der August markierte mit 189.466 Einheiten einen Rekord und machte 43,03 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Die Deutsche Bank rechnet für das Gesamtjahr mit 1,9 bis 2,0 Millionen internationalen Verkäufen, 2027 sollen es mehr als 2,5 Millionen werden.
In Spanien expandiert BYD parallel im Vertrieb: Elf neue Händlergruppen kamen hinzu, das Netz umfasst inzwischen 107 Verkaufspunkte und 86 Servicezentren, bis Jahresende sollen es 130 respektive 120 werden.
Bei den Zulassungen liegt BYD mit knapp 12.000 verkauften Elektrofahrzeugen seit Jahresbeginn vor Tesla. In Italien peilt Country Manager Alessandro Grosso für 2026 eine Verdopplung der Verkäufe an.
Logistik und Wettbewerbsdruck
Um die Exportwelle zu bewältigen, verhandelt BYD Berichten zufolge über die Bestellung von zehn Autotransportschiffen mit jeweils 9.200 Fahrzeugkapazität, gebaut bei China Merchants Industry mit Lieferung zwischen 2027 und 2029. Im August exportierte BYD rund 184.000 Pkw, ein Plus von 131 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – der Konzern stellte damit 35,4 Prozent aller chinesischen NEV-Exporte.
Der Erfolg ruft Gegenwind hervor. Hyundai-CEO Jose Munoz warnte am Freitag in San Jose vor einer Importwelle chinesischer Fahrzeuge in den USA ähnlich der europäischen Entwicklung, sollten keine Schutzmaßnahmen greifen. In Italien, Spanien und Frankreich seien chinesische Fahrzeuge 30 bis 40 Prozent günstiger als vergleichbare Modelle etablierter Hersteller.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die operative Stärke bislang nicht wider. Die Aktie notiert vorbörslich bei 9,03 Euro und damit 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 27 Prozent. Der RSI von 41 signalisiert keine Überverkauft-Situation, das Papier bewegt sich damit in neutralem Terrain zwischen operativer Dynamik und regulatorischer Unsicherheit in den Kernmärkten Europa und USA.
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