Während BYD in Chengdu mit gleich drei neuen Modellen auf die Messebühne trat, sorgte eine Zahl aus dem eigenen Konzern für Stirnrunzeln: BYD Electronic (International), die für Elektronikkomponenten zuständige Tochtergesellschaft, meldete am Freitag einen Gewinneinbruch von 75,35 Prozent im ersten Halbjahr auf 426 Millionen Yuan. Als Ursache nannte das Unternehmen veränderte Produktmischungen und eine vorübergehende Schwäche im Geschäft mit Bauteilen für Smart-Terminals.
Der Einbruch bei der Elektronik-Sparte reiht sich in ein größeres Bild ein: Der Mutterkonzern selbst hatte tags zuvor über einen Rückgang des Halbjahresgewinns um gut ein Fünftel berichtet, belastet unter anderem durch Wechselkursverluste und Lieferengpässe bei der zweiten Generation der Blade-Battery.
Anleger reagierten an der Börse verhalten, aber nicht panisch — der Aktienkurs bewegt sich mit 9,92 Euro nahe seinem 50-Tage-Durchschnitt von 9,65 Euro und damit deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,44 Euro.
Modelloffensive als Gegengewicht
BYD setzt der Gewinnschwäche eine Produktflut entgegen. Auf dem Chengdu Motor Show präsentierte die Premium-Submarke Fangchengbao den Shooting Brake Fangcheng S GT, während BYD selbst die dritte Generation des Tang-SUV vorstellte, dessen Marktstart für das vierte Quartal 2026 angesetzt ist.
Bereits am 23. August war die Luxuslimousine „Da Han“ mit einer 1000-Volt-Architektur und einer CLTC-Reichweite von 1.008 Kilometern in den Vorverkauf gegangen, zum Einstiegspreis von 249.900 Yuan.
Auch international expandiert der Konzern weiter. In Brasilien soll der Plug-in-Hybrid-Pickup „Mako“ auf Basis der Song-Plus-Plattform lokal produziert werden. In Bangladesch hat der Zweiradhersteller Runner Automobiles eine technische Vereinbarung mit BYD unterzeichnet, um künftig auch Elektroautos vor Ort zu fertigen — ein Signal dafür, wie stark BYD seine Exportstrategie diversifiziert.
Regulatorische und institutionelle Signale
Parallel zur Produktoffensive rückt die Regulierung stärker in den Fokus. Chinas Industrieministerium kündigte an, die Vorab-Testung und Validierung neuer Fahrzeuge strenger zu überwachen, um „übereilt auf den Markt gebrachte“ Modelle einzudämmen.
Zudem prüft der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses eine Novelle des Straßenverkehrsgesetzes zur Haftung bei autonomem Fahren. BYD erklärte bereits, Unfallkosten zu übernehmen, die während der Aktivität seines „God’s Eye“-Assistenzsystems entstehen.
Institutionelle Investoren scheinen von der langfristigen Ausrichtung des Konzerns unbeeindruckt von den kurzfristigen Gewinnzahlen. BlackRock meldete eine Aufstockung seiner Position auf 264,65 Millionen Aktien, was einem Anteil von 2,91 Prozent an der Hongkonger Notierung entspricht — nach dem Zukauf von gut 24 Millionen weiteren Aktien Mitte August.
Ausblick: Sealion 08 als nächster Prüfstein
Der Kurs notiert derzeit 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 12,99 Euro vom 29. August, hat sich vom 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro aber ebenfalls um 24 Prozent erholt. Die Aktie bewegt sich damit in einer Konsolidierungsphase, während der Konzern seine Modelloffensive fortsetzt.
Am 2. September soll mit dem Sealion 08 das nächste Flaggschiff der Ocean-Baureihe offiziell starten, nachdem der Vorverkauf bereits Mitte August begonnen hatte. Ob die neue Modellwelle die operative Schwäche der ersten Jahreshälfte kompensieren kann, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
BYD-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BYD-Analyse vom 30. August liefert die Antwort:
Die neusten BYD-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BYD-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BYD: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
