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BYD Aktie: Citigroup warnt vor Nachfrageschwäche

Schwache China-Nachfrage und Rückrufrisiken belasten BYD, während Auslandsmärkte und Ladeinfrastruktur Wachstumsperspektiven eröffnen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie seit Jahresbeginn 17 Prozent niedriger
  • Thailand-Werk fertigte 100.000stes Elektrofahrzeug
  • Autobahn-Ladenetz erreicht Jahresziel vorzeitig
  • Rückruf betrifft mehrere Tang- und Qin-Modelle

Kursdruck in Hongkong verschärft die Ausgangslage

Anleger des chinesischen Herstellers stehen vor einer richtungsweisenden Phase. Der jüngste Kursrutsch an der Börse in Hongkong hat die Nervosität spürbar erhöht, obwohl ein eindeutiger unternehmensspezifischer Auslöser für den jüngsten Abverkauf nicht belegt ist.

Medienberichten zufolge gerieten Technologie- und Lithium-Aktien am regionalen Markt im Gleichschritt unter Verkaufsdruck. Gleichzeitig wiegen jedoch Zweifel an der Stärke der chinesischen Inlandsnachfrage und eine anhaltende Skepsis nach vergangenen Geschäftszahlen schwer.

Die Aktie notiert aktuell bei 8,84 Euro. Seit dem Jahresanfang beläuft sich das Minus damit auf 17 Prozent. Für Investoren stellt sich nach dieser anhaltenden Schwächephase die Frage, ob der Markt die bestehenden Belastungsfaktoren überzeichnet oder ob die Gewinnaussichten vor einer tieferen Korrektur stehen.

Die Tragfähigkeit des Auftragseingangs steht im Mittelpunkt

Der zentrale Faktor für die künftige Wertentwicklung bleibt das Zusammenspiel aus Inlandsabsatz und Margenstabilität. Marktbeobachter richten ihr Augenmerk vor allem darauf, ob die Nachfrageschwäche im chinesischen Heimatmarkt durch Zuwächse in anderen Segmenten und Regionen kompensiert werden kann.

Die Analysten von Citigroup verwiesen am 16. September darauf, dass der Kursrückgang der Aktie die bisherigen Anpassungen der Prognosen überholt habe.

Zugleich machten die Citigroup-Experten deutlich, welche Unsicherheiten das Geschäft belasten. Schwächer als erwartet ausgefallene Einzelhandelsverkäufe der gesamten Branche im August sowie eine schleppende Auftragslage im September dämpfen die Erwartungen. Reicht das Neugeschäft im Heimatmarkt nicht aus, um die hohe Produktionskapazität auszulasten, geraten die Margen unvermeidlich unter Druck.

Auslandsmärkte und Infrastruktur bieten Erholungspotenzial

Für ein positives Szenario spricht das anhaltende Tempo bei der Erschließung neuer Märkte. Am Mittwoch gab das Unternehmen bekannt, dass im thailändischen Werk am 21. September bereits das 100.000ste Fahrzeug mit alternativer Antriebstechnik vom Band lief.

Bei dem Jubiläumsmodell handelte es sich um einen Atto 3. Der Standort stützt sich zu 95 Prozent auf thailändische Arbeitskräfte und erreicht einen lokalen Beschaffungsanteil von rund 50 Prozent.

Parallel dazu schreitet der Ausbau der Ladeinfrastruktur voran. Gestern nahm der Konzern seine 2.000ste Autobahn-Schnellladestation im Servicebereich Baoying in der Provinz Jiangsu in Betrieb und erfüllte damit das Jahresziel für Autobahnen vorzeitig. Bis zu diesem Tag zählte das Netz 11.586 Stationen in 341 Städten.

Zusätzliche Wachstumsfantasie liefert das Nutzfahrzeugsegment. Am 14. September stellte die Nutzfahrzeugsparte auf der Messe IAA Transportation ein erweitertes europäisches Portfolio vor.

Dazu zählt die schwere Sattelzugmaschine ETT 44 mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern und einer Blade-Batterie mit 651 Kilowattstunden Kapazität. Setzen sich diese Produkte international durch, gewinnt der Konzern wertvolle Unabhängigkeit vom chinesischen Pkw-Markt.

Regulatorische Hürden und Rückrufe belasten die Aussichten

Dem stehen greifbare Abwärtsrisiken gegenüber, die das Sentiment belasten. Am 18. September veröffentlichte Chinas Marktregulierungsbehörde eine umfangreiche Rückrufaktion wegen potenziell fehlerhafter Anschlagpuffer am Bremspedal.

Betroffen sind 58.026 Einheiten der Tang-Reihe, 77.846 Fahrzeuge des Typs Tang DM, 7.023 Tang EV sowie 40.316 Qin-Modelle. Ein kostenloser Austausch der Komponenten ist vorgesehen, bindet jedoch Ressourcen und rückt Qualitätsfragen in den Fokus.

Erheblichen Gegenwind signalisiert zudem das handelspolitische Umfeld. Citigroup thematisierte in ihrer Analyse mögliche Kürzungen der chinesischen Exportsteuerrückvergütungen sowie potenzielle zusätzliche Zölle der Europäischen Union auf Plug-in-Hybride. Sollten diese Hürden greifen, droht dem profitablen Exportgeschäft eine deutliche Verlangsamung.

Auf diese Marken und Signale kommt es künftig an

Für eine nachhaltige Trendwende muss die Aktie zunächst den Abstand zu wichtigen Trendlinien verringern. Mit einem aktuellen Niveau unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,27 Euro bleibt das charttechnische Bild angeschlagen. Solange die Nachfragesorgen im chinesischen Markt dominieren und politische Eingriffe im Export drohen, bleibt das Aufwärtspotenzial gedeckelt.

Kippt der Auftragstrend im Heimatmarkt weiter ab, dürften auch die operativen Schätzungen der Marktbeobachter spürbar nach unten angepasst werden. Als nächster operativer Meilenstein rückt die Umsetzung der Infrastrukturpläne in den Blick.

Bis zum Jahresende plant das Unternehmen die Fertigstellung von insgesamt 20.000 Schnellladestationen in China. Das Erreichen dieser Marke sowie die Auftragseingänge im europäischen Nutzfahrzeuggeschäft werden zeigen, ob die internationale Expansion den Gegenwind im Heimatmarkt abfedern kann.

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