Der chinesische Automarkt steckt fest — aber möglicherweise nicht mehr lange. Morgan Stanley sieht die Nachfrage nach einem schwierigen zweiten Quartal 2026 nahe einem Tiefpunkt, warnt jedoch vor voreiligem Optimismus.
Stabilisierung, aber kein Aufatmen
Die Wholesale-Zahlen für Pkw lagen im zweiten Quartal bei geschätzt 6,7 bis 6,9 Millionen Einheiten — ein Rückgang von 3 bis 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das klingt mager, ist aber eine spürbare Verbesserung gegenüber dem Einbruch von 8 Prozent im ersten Quartal. Juni profitierte noch von verlängerten Halbjahrespromotionen, staatlichen Kaufprämien und niedrigeren Kraftstoffpreisen.
Juli dürfte saisonal schwach bleiben. Der eigentliche Aufholeffekt, so Morgan Stanley, könnte erst im August und September einsetzen — getragen von neuen Modellstarts, politischer Unterstützung und saisonaler Dynamik. Das Segment um die 150.000 Yuan gewinne dann besonderes Gewicht, weil dort Elektrofahrzeuge zunehmend Fuß fassen.
BYD gehört nach Einschätzung der Analysten zu den am besten positionierten Herstellern für diesen Aufschwung. Im Premium- und Luxussegment hingegen verschärft sich der Wettbewerb strukturell — wer dort bestehen will, braucht starke EV-Plattformen, ausgereifte Fahrerassistenzsysteme und belastbare Restwertversprechen.
Kanada als strategisches Vorspiel
Während der Heimatmarkt auf Erholung wartet, arbeitet BYD an seiner internationalen Aufstellung. In Kanada laufen bereits Compliance-Verfahren für zwei Fahrzeugimporte, parallel werden sechs Händlerstandorte vorbereitet. Der Start des Verkaufs ist für 2027 geplant.
Kanada selbst ist wirtschaftlich wenig attraktiv: Das Land erlaubt vorerst nur 49.000 chinesische Fahrzeuge jährlich zu einem Vorzugszoll von 6,1 Prozent — ein kleiner Markt mit ungünstigem Wechselkurs. Der eigentliche Wert liegt woanders. Regulatorisch und in den Verbraucherpräferenzen ähnelt Kanada dem US-Markt so stark, dass Branchenbeobachter das Land als ideale Testumgebung für eine spätere US-Expansion betrachten.
BYD-Managerin Stelli Li wies den Begriff „Übungsplatz“ allerdings zurück — das Unternehmen sei bereits bereit für die USA. Formal blockieren hohe Einfuhrzölle und ein Verbot chinesischer Fahrzeugsoftware den US-Marktzugang weiterhin. BYD strebt an, den Exportanteil auf die Hälfte des Gesamtabsatzes zu steigern — gemessen an den 4,6 Millionen weltweit verkauften Fahrzeugen in 2025 ein ambitioniertes Ziel, das ohne USA kaum erreichbar scheint.
Brasilien rundet das Bild ab
Einen zusätzlichen Rückenwind bietet Brasilien: Die Regierung ermöglicht im zweiten Halbjahr 2026 die zollfreie Einfuhr von Montage-Bausätzen für Elektrofahrzeuge. BYD gehört zu den direkten Nutznießern — die Fahrzeuge werden dann vor Ort endmontiert. Eine Mengenbegrenzung gilt zwar, dennoch verbessert die Maßnahme die Wettbewerbsposition in einem der größten Schwellenländermärkte.
Die nächste belastbare Orientierung für die Kursentwicklung liefern die Juli-Absatzzahlen, die Anfang August veröffentlicht werden — dann zeigt sich, ob Morgans Stanleys Rebound-Szenario für den Spätsommer auf realer Basis steht.
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