BYD kämpft an zwei Fronten – und die Bilanz fällt zweigeteilt aus. Während das Auslandsgeschäft rasant wächst, bricht der Heimatmarkt spürbar ein. Die Aktie notiert aktuell bei 9,25 Euro und hat damit rund 26 Prozent Abstand zu ihrem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, das der Titel Anfang Oktober markiert hatte.
Rekordabsatz im Ausland, Einbruch daheim
Im August 2026 verkaufte BYD nach Angaben des Unternehmens 440.293 Neuenergiefahrzeuge – ein Rekordwert und ein Plus von 17,84 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Der Löwenanteil des Wachstums kam aus dem Ausland: Dort wurden 189.466 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Sprung von 134,45 Prozent gegenüber August 2025. In den ersten acht Monaten des Jahres summierten sich die Auslandsverkäufe auf 1.162.260 Fahrzeuge, ein Anstieg von 85,72 Prozent im Jahresvergleich. Der Auslandsanteil an den kumulierten Verkäufen liegt damit bei 43,56 Prozent.
Auf der anderen Seite steht ein deutlicher Rückgang im heimischen Markt: Die Inlandsverkäufe fielen in den ersten acht Monaten um 32,72 Prozent auf 1.505.755 Fahrzeuge. Der chinesische Automarkt bleibt für BYD damit die größere Baustelle, während internationale Expansion den Konzern zunehmend stützt.
Gewinn kehrt zurück, verfehlt aber Erwartungen
Im zweiten Quartal 2026 erzielte BYD einen Nettogewinn von 8,2 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 1,22 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und beendet eine Serie von vier rückläufigen Quartalen in Folge. Es war der erste Quartalsgewinn mit Wachstum seit über einem Jahr, getragen vor allem von der internationalen Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.
Der Rebound blieb jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Morgan Stanley, UBS, Citi, Deutsche Bank und CMBI hatten im Konsens einen Gewinnanstieg von rund 48 Prozent veranschlagt – tatsächlich erreicht wurden nur 30 Prozent.
Der Umsatz im zweiten Quartal sank zudem um 3,2 Prozent auf 194,6 Milliarden Yuan, das vierte Quartal in Folge mit rückläufigen Erlösen. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage: Kann das Auslandsgeschäft die Schwäche im Heimatmarkt dauerhaft kompensieren?
Die Exportzahlen des ersten Halbjahres liefern zumindest ein Argument dafür. Die Ausfuhren kletterten um 71 Prozent auf mehr als 790.000 Fahrzeuge und machten damit 44 Prozent des Gesamtabsatzes aus.
Neue Modelle sollen Schwung bringen
Parallel zur Absatzentwicklung treibt BYD die Modelloffensive voran. Der Sealion 08, ein Flaggschiff-SUV der mittleren bis großen Klasse, kam Anfang September sowohl als Plug-in-Hybrid als auch als reines Elektrofahrzeug auf den Markt, ausgestattet mit der zweiten Generation der Blade-Batterie, Schnellladetechnologie und dem Fahrassistenzsystem God’s Eye 5.0. Bei der Marke Denza steht zudem die vollelektrische Version des N8L für September auf dem Plan, mit einem 208 Liter fassenden, elektrisch angetriebenen Frunk.
Zusätzlich bestätigte BYD den Großseriencharakter des Great Seagull, einer größeren Variante des Kleinwagens Seagull, für einen Marktstart noch in diesem Jahr.
Bei den Antriebsarten setzt sich der Trend zur reinen Elektromobilität fort: Batterieelektrische Fahrzeuge machten im August 59,1 Prozent der Pkw-Neuenergieverkäufe aus, nach 53,7 Prozent im Vorjahresmonat.
Wachstumsziele bleiben ambitioniert
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet BYD mit Auslandsverkäufen von knapp 2 Millionen Fahrzeugen, für 2027 sind bereits 2,5 Millionen Einheiten anvisiert. Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeigt jedoch, dass der Markt die operativen Fortschritte bislang skeptisch bewertet: Der Titel verlor allein in den vergangenen 30 Tagen 9,2 Prozent und notiert derzeit unterhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 9,79 Euro.
Ob die starke Auslandsdynamik ausreicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, dürfte sich an den kommenden Absatz- und Quartalszahlen entscheiden.
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