BYD kämpft auf mehreren Fronten gleichzeitig. Der chinesische Elektroautobauer gewinnt Verleumdungsprozesse gegen Social-Media-Influencer, schließt neue Logistik- und Infrastrukturverträge — und sieht dabei zu, wie die eigene Aktie auf ein Jahrestief rutscht.
Gerichte urteilen gegen Falschinformationen
Fünf chinesische Auto-Influencer müssen nach Gerichtsurteilen vom 28. Juni insgesamt umgerechnet rund 80.800 Euro an BYD zahlen. Den höchsten Betrag trifft „Tiger Wolf Talks Cars“: 210.000 Yuan, knapp 30.900 Dollar. Die Accounts „Zhengren Talks Cars“ und „Solid-State Batteries Are Here“ wurden jeweils mit 100.000 Yuan belegt. Weitere Accounts folgten.
Besonders bemerkenswert: Ein einzelner Blogger soll laut Urteil über zwei Millionen Yuan Schadensersatz leisten. BYDs Rechtsabteilung geht offensiv vor. Sie bietet Prämien zwischen 50.000 und fünf Millionen Yuan für Hinweise auf koordinierte Desinformationskampagnen.
Logistik und Ladeinfrastruktur
Parallel dazu baut BYD seine globale Lieferkette aus. Mit CEVA Logistics unterzeichnete der Konzern ein Dreijahres-Memorandum, das Logistikdienstleistungen in mehr als 100 Ländern abdeckt. Es soll die laufende Expansion der Produktionsstandorte weltweit stützen.
In Vietnam geht BYD einen weiteren Schritt. Eine Kooperationsvereinbarung mit der Phuong Trang-Futa Group soll ein landesweites Ladenetz aufbauen. Pilotladestationen in Ho-Chi-Minh-Stadt sind bereits in Betrieb.
Aktie nahe Jahrestief, RSI im Keller
Die Nachrichtenlage ist positiv — der Kurs nicht. BYD schloss den Freitag bei 8,29 Euro, ein Minus von gut drei Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 24 Prozent verloren. Sie notiert knapp über dem 52-Wochen-Tief von 8,08 Euro, das erst am 26. Juni erreicht wurde.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 20,6 — tief im überverkauften Bereich. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt fast 24 Prozent. Technisch zeigt die Aktie damit erhebliche Schwäche, auch wenn solche Niveaus historisch oft Wendepunkte markieren.
Was diese Woche zählt
Am 2. Juli startet BYD das Flaggschiff Seal 08 offiziell. Das Modell setzt auf BYDs zweite Generation der Blade-Batterie und eine 800-Volt-Plattform. Die rein elektrische Version soll bis zu 1.000 Kilometer Reichweite erreichen.
In Südkorea peilt BYD für 2026 mehr als 10.000 verkaufte Fahrzeuge an — nach dem Debüt des Sealion 6 DM-i auf der Busan Mobility Show. In Nordamerika laufen derweil Gespräche mit kanadischen Behörden über regulatorische Anforderungen. Hintergrund sind erhöhte Zölle auf chinesische Elektroautos. BYD prüft, ob ein eigenes Werk in der Region die Handelshürden senken könnte.
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