BYD hat im ersten Halbjahr 2026 den Spitzenplatz im chinesischen Automarkt an SAIC abgeben müssen, kompensiert den Rückgang im Inland aber mit einem kräftigen Auslandsgeschäft. Der Konzern kam auf 1,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge und landete damit hinter SAIC mit 2,05 Millionen Einheiten, wie Zahlen von Gasgoo zeigen. Allein im Juni setzte BYD 403.500 Fahrzeuge ab. Der gesamte chinesische Pkw-Einzelhandel schrumpfte im ersten Halbjahr um 20,2 Prozent auf 8,7 Millionen Einheiten, während die Marktdurchdringung von Neuenergiefahrzeugen im Juni bei 62,8 Prozent lag.
Exporte verdoppeln sich, Zentral- und Südamerika als Kernmarkt
Während der Heimatmarkt schwächelt, wächst BYD im Ausland rasant. Die Exporte lagen im ersten Halbjahr bei 789.000 Fahrzeugen und haben sich damit nahezu verdoppelt. Auslandsverkäufe machen inzwischen 40 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Besonders stark zeigt sich BYD in Zentral- und Südamerika: Zwischen Januar und Mai 2026 verkaufte der Konzern dort 206.171 Fahrzeuge, ein Plus von 150,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, und führt die Region damit klar an. In Europa reicht es laut Daten von Gasgoo mit 116.681 Einheiten nur für Platz drei hinter Chery und SAIC, in Südostasien liegt BYD mit 53.692 Fahrzeugen hinter Geely auf Rang zwei.
Ein zentraler Baustein der internationalen Strategie ist Thailand. Das Werk in Rayong, seit Juli 2024 in Betrieb, feierte am 14. Juli sein zweijähriges Bestehen und meldete zugleich mehr als 130.000 kumulierte Auslieferungen. Die Anlage ist nach Unternehmensangaben BYDs erstes vollständig im Eigenbesitz befindliches Übersee-Werk für Personenwagen, hat eine Jahreskapazität von 150.000 Einheiten und beschäftigt rund 5.000 Menschen, davon 93 Prozent lokal. Die Teilebeschaffung erfolgt zur Hälfte vor Ort. Produziert werden dort unter anderem Dolphin, Atto 3 sowie die DM-i-Hybridmodelle Seal 5 und Sealion 5/6, von wo aus BYD seit August 2025 auch nach Großbritannien, Deutschland und Belgien exportiert. Parallel brachte BYD in Thailand eine überarbeitete „Standard“-Variante des Sealion 5 DM-i mit lokaler Fertigung, neuem Frontdesign und 210 PS Leistung auf den Markt, in Singapur startete zudem der dreireihige Plug-in-Hybrid Sealion 8 DM-i ab umgerechnet rund 238.888 Singapur-Dollar.
Vertikale Integration als Vorteil gegenüber europäischen Rivalen
Während europäische Autobauer unter massivem Kostendruck stehen, gilt BYD laut einer Analyse von Simply Wall St als vergleichsweise widerstandsfähig. Volkswagen sah seinen operativen Gewinn von 22,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro einbrechen und plant bis zu 100.000 Stellenstreichungen. Stellantis meldete einen Rückgang des operativen Ergebnisses von 24,3 auf 8,6 Milliarden Euro, Daimler Truck kam nur noch auf eine Marge von 2,7 Prozent und verbuchte einen Einmalverlust von 559 Millionen Euro. BYD wird demgegenüber eine Marge von 3,5 Prozent sowie eine Marktkapitalisierung von 852,5 Milliarden Hongkong-Dollar zugeschrieben, gestützt durch die vertikale Integration der eigenen Lieferkette. Zusätzliche Impulse für das Zukunftsgeschäft mit Batterien und Kreislaufwirtschaft soll eine am 13. Juli unterzeichnete strategische Partnerschaft mit dem Werkstoffkonzern Covestro liefern, die auf Innovationen bei E-Fahrzeugen und Energiespeichern zielt.
Aktie bewegt sich seitwärts nahe Jahrestief
An der Börse spiegelt sich die operative Stärke bislang kaum wider. Die BYD-Aktie schloss am Montag bei 9,33 Euro und liegt damit binnen sieben Tagen um 0,78 Prozent im Plus, auf Monatssicht aber um 0,71 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 14,81 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 29,83 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro, erreicht im Juli 2025, trennen den Titel derzeit 36,94 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro, markiert Ende Juni 2026, besteht dagegen noch ein Abstand von 16,21 Prozent nach oben. Der Kurs notiert mit 9,72 Euro auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt und mit 10,68 Euro deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt, was einem Abstand von 12,64 Prozent entspricht. Der RSI von 51 signalisiert eine neutrale Marktlage, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 39,75 Prozent auf anhaltend hohe Kursschwankungen hindeutet.
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