Zwei von drei Neuwagen in China fahren elektrisch. Das ist ein historischer Meilenstein — und trotzdem steht die BYD-Aktie nahe ihrem Jahrestief. Der Widerspruch zwischen starkem Markttrend und schwacher Kursentwicklung ist das eigentliche Thema.
Chinas EV-Markt bricht Rekord
In der ersten Juniwoche erreichte der Anteil von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen an den chinesischen Pkw-Neuzulassungen 66,7 Prozent. Das ist der höchste je gemessene Wochenwert. Der Branchenverband CPCA zählte dabei mehr als 152.000 Auslieferungen von Elektrofahrzeugen — acht Prozent mehr als in der vergleichbaren Maiwoche.
Allerdings zeigt dieselbe Statistik ein Problem. Der Gesamtmarkt für Pkw schrumpfte im gleichen Zeitraum um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei Elektrofahrzeugen lagen die Verkäufe noch 14 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Marktanteilsgewinn der E-Mobilität findet also auf schrumpfendem Terrain statt — kein konjunktureller Aufschwung, sondern eine Verschiebung innerhalb eines schwachen Gesamtmarkts.
BYD führt — und verliert trotzdem
BYD behauptete im Mai die Spitzenposition. Der Konzern verkaufte im Großhandel knapp 377.000 Elektrofahrzeuge und führte auch die Einzelhandelsrangliste mit rund 207.000 Einheiten an. Hinzu kamen fast 156.000 Exportfahrzeuge — mehr als jeder andere chinesische Hersteller.
Die Exportzahlen sind dabei kein Randthema. China exportierte im Mai insgesamt 424.000 Elektrofahrzeuge, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Das entspricht 54 Prozent aller chinesischen Pkw-Exporte. Für BYD werden Auslandsmärkte damit zum wichtigsten Puffer gegen die Schwäche im Heimatmarkt.
Kurs nahe am Jahrestief
Die Kursentwicklung spiegelt diese gemischte Lage. BYD schloss zuletzt bei 9,40 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 9,25 Euro, das erst am 11. Juni markiert wurde. Auf Jahressicht beträgt das Minus fast 35 Prozent. Die Aktie notiert deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,80 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,97 Euro. Der RSI liegt bei 32 — technisch nahe an überverkauftem Terrain.
Investoren warten offenbar auf mehr als Marktanteilsdaten. Steigende EV-Penetration allein reicht nicht, solange Preisdruck, Margenentwicklung und das Tempo des Exportwachstums ungeklärt bleiben. Die Juni-Verkaufszahlen werden zeigen, ob BYD den Rückstand im Heimatmarkt weiter durch Exporte ausgleichen kann — oder ob sich die Lücke vergrößert.
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