In Ungarn hat die Regierung eine Untersuchung der milliardenschweren Fördervereinbarungen für den chinesischen Autobauer eingeleitet, nachdem der frühere Außenminister Péter Szijjártó eine Führungsposition bei BYD übernommen hat. Parallel dazu meldet der Konzern für das zweite Quartal 2026 einen Auslieferungsrekord, der Tesla klar hinter sich lässt.
Ungarn prüft Fördergelder und Szijjártós Wechsel
Ministerpräsident Péter Magyar kündigte am 20. Juli 2026 eine Prüfung sämtlicher staatlicher Zusagen an BYD an, die während der Amtszeit der Vorgängerregierung getroffen wurden. Im Fokus stehen Subventionen, Steuervergünstigungen, Genehmigungen und Umweltauflagen-Ausnahmen. Auslöser ist der Wechsel von Péter Szijjártó, der als Außenminister maßgeblich an der Ansiedlung von BYDs erstem europäischen Werk im Jahr 2023 sowie am 2025 beschlossenen europäischen Hauptsitz samt Forschungszentrum in Budapest beteiligt war. Für Letzteres hatte der ungarische Staat rund 20 Milliarden Forint, umgerechnet etwa 63,7 Millionen Dollar, an Unterstützung zugesagt. Magyar wirft Szijjártó vor, für BYD „hunderte Milliarden Forint an öffentlichen Geldern, diplomatische Unterstützung und staatliche Infrastruktur“ mobilisiert zu haben. Zusätzlich läuft eine gesonderte Prüfung von Szijjártós engen Beziehungen nach Russland.
Auslieferungen überholen Tesla deutlich
Operativ liefert BYD derweil starke Zahlen. Im zweiten Quartal 2026 lieferte der Konzern 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge aus und übertraf damit Teslas Vergleichswert von 480.126 Einheiten. Besonders das Auslandsgeschäft zieht an: Im Juni erreichten die Auslieferungen außerhalb Chinas mit 175.349 Fahrzeugen einen Rekordwert, ein Plus von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa wuchs die Nachfrage sogar um 270 Prozent im Jahresvergleich. Diese Dynamik dürfte die Diskussion um staatliche Förderungen wie im Fall Ungarn zusätzlich befeuern, da BYD seine internationale Expansion weiter beschleunigt.
Neue Modelle und ein Sicherheitsvorfall
Auf der Produktseite bereitet BYD mit der Limousine Qin MAX den Angriff auf das B-Segment vor. Das Fahrzeug basiert auf der Plattform e 3.0 Evo, unterstützt 800-Volt-Schnellladung und soll nach offiziellen Angaben in neun Minuten auf 97 Prozent Akkuladung kommen. Die Reichweite soll je nach Version 530 bis über 700 Kilometer erreichen, der Marktstart ist noch in diesem Jahr geplant, die Preisspanne liegt bei 150.000 bis 200.000 Yuan. In Mexiko brachte BYD zudem das Plug-in-Hybridmodell Seal 05 unter dem Label BYD King mit fünfter DM-Generation und einer Systemreichweite von 1.680 Kilometern nach NEDC-Norm auf den Markt. Auf Hainan startete das SUV Seal 08 zu Preisen zwischen umgerechnet rund 196.900 und 239.900 Yuan, ausgestattet mit Luftfederung, Hinterachslenkung und Laserradar.
Nicht alle Nachrichten waren positiv: Nach einem Auffahrunfall auf einer Ringstraße in Chengdu geriet ein Qin Plus DM-i in Brand, Fahrer und Beifahrer konnten sich durch die Fenster retten, die Unfallursache wird noch untersucht. Beim Modell Tang EV erklärte BYD einen Vorfall, bei dem sich ein Motor gelöst hatte, mit einem schweren Unterbodenaufprall beim Durchfahren von Wasser – nicht mit eingedrungenem Wasser selbst. Der vordere Motor habe das Fahrzeug demnach weiterhin antreiben können. Zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugte der Elektro-Supersportwagen Yangwang U9 Track Edition: Mit vier Motoren und rund 3.000 PS auf 1200-Volt-Basis erreichte er auf einer Teststrecke im niedersächsischen Papenburg unter professioneller Fahrt eine Geschwindigkeit von 293,54 mph, umgerechnet etwa 472,5 km/h.
Aktie erholt sich, bleibt aber unter langfristigem Trend
An der Börse hat sich der Kurs zuletzt gefangen: Zum Montagsschluss stand die BYD-Aktie bei 10,02 Euro, nach einem Plus von 15,16 Prozent über die vergangenen 30 Tage. Damit hat sich das Papier von seinem 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro deutlich gelöst. Der langfristige Abwärtstrend ist jedoch noch nicht überwunden: Der Kurs notiert weiterhin 5,72 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,63 Euro. Anleger dürften die politische Entwicklung in Ungarn und die kommenden Modellstarts als nächste Impulsgeber im Blick behalten.
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