BYD bricht Verkaufsrekorde. Die Aktie fällt trotzdem. Dieses Paradox beschreibt den Kern des Problems — und erklärt, warum der Kurs am Dienstag mit 9,26 Euro nur knapp über seinem neuen 52-Wochen-Tief von 9,21 Euro notiert.
Technisch am Limit
Der RSI liegt bei 30,3 — klassisches Überverkauft-Signal. Trotzdem hat das bisher keinen Boden gebildet. Die Aktie notiert rund 14 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und fast 38 Prozent unter dem Julihoch von 14,80 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 15,5 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar fast 36 Prozent.
„Günstig“ ist kein Kaufargument, solange die strukturellen Probleme ungelöst bleiben. Genau das dürfte viele Investoren zurückhalten.
Das Margenproblem
BYD liefert mehr Autos als je zuvor. Der europäische Absatz stieg im vergangenen Jahr um 270 Prozent. Und dennoch brach der Gewinn im ersten Quartal 2026 um 55 Prozent ein — nach einem Rückgang von 19 Prozent beim Nettogewinn für das Gesamtjahr 2025.
Die Ursache liegt im chinesischen Heimatmarkt. Dort herrscht massiver Überkapazität, und ein brutaler Preiskampf zwingt alle Hersteller dazu, Marktanteile über Profitabilität zu stellen. BYD wächst — aber es verdient dabei immer weniger pro Fahrzeug.
Konzernchef Wang Chuanfu hat das Ziel bekräftigt, BYD innerhalb von fünf Jahren zum weltweit größten Autobauer nach Stückzahl zu machen. Der Kapitalmarkt bewertet diesen Anspruch nüchtern: Was kostet diese Krone? Die Antwort lautet derzeit: zu viel.
Der strategische Schwenk hin zu Premiummodellen wie der Limousine „Great Han“ ist richtig gedacht. Ob BYD im Hochpreissegment wirklich Fuß fassen kann, bleibt aber offen.
Zölle und Produktionsverzögerungen
Geopolitik belastet zusätzlich. Die EU erhebt auf chinesische Elektroautos von BYD einen spezifischen Ausgleichszoll von 17 Prozent. Als Reaktion versucht BYD, die Produktion nach Europa zu verlagern. Das Werk in Ungarn soll nun im vierten Quartal 2026 anlaufen — rund ein Jahr später als ursprünglich geplant.
Hinzu kommt der neue EU-Industriebeschleunigungsakt. Seine lokalen Inhaltsanforderungen zwingen BYD, über Zukäufe bestehender Werke nachzudenken — etwa stillgelegte Fabriken in Spanien oder Italien. Das klingt nach einem pragmatischen Weg, um Handelsbarrieren zu umgehen. Aber die hohen Lohn- und Energiekosten in Westeuropa gefährden genau jenen Kostenvorteil, auf dem BYDs Geschäftsmodell aufgebaut ist.
Mein Urteil
Die Investitionsthese für BYD steht und fällt mit zwei Faktoren: dem erfolgreichen Rollout der zweiten Generation der Blade-Batterie und einer Stabilisierung im internationalen Handelsumfeld. Beides ist möglich — aber keines ist sicher.
Die Aktie hat zweifellos bereits viel Negativität eingepreist. Wer auf eine Erholung setzt, braucht Geduld. Bis BYD zeigen kann, dass das internationale Produktionsnetz und die Premiumstrategie die Margenprobleme im Heimatmarkt ausgleichen, dürfte der Kurs in der Nähe seiner Jahrestiefs verharren. Wachstum ohne Gewinn ist auf Dauer keine Basis für eine Neubewertung.
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