Der chinesische Automarkt schrumpft seit zehn Monaten in Folge – und BYD profitiert wie kaum ein anderer Hersteller vom Ausweichen auf Exportmärkte. Im Juli sank der Absatz von Personenwagen in China um 21,1 Prozent auf 1,47 Millionen Fahrzeuge, während die Ausfuhren um 88,2 Prozent auf 923.000 Einheiten explodierten. BYD zählt zu den klaren Gewinnern dieser Verschiebung.
Rekord bei Übersee-Auslieferungen
Nach Angaben der China Passenger Car Association (CPCA) verzeichnete BYD im dritten Monat in Folge steigende globale Verkäufe, getragen von Rekord-Auslieferungen außerhalb Chinas. Konkret hat BYD nach Angaben von NOCUTNEWS mittlerweile 497.000 Elektrofahrzeuge außerhalb Chinas verkauft und damit die Hyundai Motor Group mit 370.000 Einheiten überholt.
Auch im heimischen NEV-Segment bleibt BYD die klare Nummer eins: Mit 223.461 verkauften Neuenergiefahrzeugen führte der Konzern im Juli deutlich vor Geely (105.526) und Leapmotor (83.698).
Besonders deutlich zeigt sich der Trend in Deutschland. Die BYD-Neuzulassungen legten dort im Juli um 365 Prozent auf 5.240 Fahrzeuge zu – während der Wettbewerber Nio mit nur drei zugelassenen Autos einen Einbruch von 93,6 Prozent hinnehmen musste. Der deutsche Markt für batterieelektrische Fahrzeuge insgesamt wuchs um 61,7 Prozent auf 78.609 Wagen, BYD wächst also deutlich schneller als der Gesamtmarkt.
Heimatmarkt bleibt Belastungsfaktor
Der chinesische Binnenmarkt zeichnet indes ein anderes Bild. CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu bezeichnete den Rückgang als stärker als erwartet und verwies auf hohe Kraftstoffpreise sowie schwache Nachfrage im Einstiegssegment.
In den ersten sieben Monaten des Jahres lagen die Inlandsverkäufe um 20,5 Prozent niedriger, was 2,65 Millionen weniger verkauften Fahrzeugen entspricht. Die Marktpenetration von Neuenergiefahrzeugen erreichte im Juli dennoch einen Rekordwert von 65,1 Prozent, gegenüber 54 Prozent im Vorjahr – ein Zeichen dafür, dass sich der Rückgang vor allem bei Verbrennern abspielt.
Deutsche Bank warnte laut Berichterstattung vor Margendruck durch verstärkte Rabattaktionen sowie steigende Kosten für Lithiumbatterien und Halbleiterspeicher – ein Risiko, das auch BYD als größten NEV-Hersteller des Landes treffen dürfte.
Ladeinfrastruktur als weiteres Standbein
Neben dem Fahrzeugabsatz baut BYD auch die eigene Ladeinfrastruktur aus. Der Ölkonzern Sinopec wandelte in Shanghai eine Tankstelle in einen reinen Ladehub mit BYDs 1.500-Kilowatt-Schnellladern um. Zwölf Ladeplätze werden dort von jeweils vier Blade-LFP-Batteriepaketen gepuffert. BYD verfolgt das Ziel, bis Ende des Jahres 20.000 solcher Schnellladestationen in China zu errichten; Ende Mai waren es bereits über 6.100.
Was das für Anleger bedeutet
Der Kurs der BYD-Aktie notiert vorbörslich bei 9,95 Euro und damit knapp über dem Vortagesschluss von 9,93 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,48 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Papier 7,08 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro, erreicht Ende August vergangenen Jahres, fehlen aktuell fast ein Viertel.
Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke im Auslandsgeschäft und der schwachen Kursentwicklung spiegelt die Sorge der Anleger vor dem schrumpfenden Heimatmarkt und drohendem Margendruck wider. Ob die Exportdynamik diese Belastungen kompensieren kann, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen.
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