BYD nähert sich einem neuen Jahrestief — und das ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen international so aggressiv expandiert wie selten zuvor. Der Widerspruch zwischen operativer Aktivität und Kursschwäche macht die Aktie derzeit zu einem der spannungsreichsten Fälle im Automobilsektor.
Technisch tief im Keller
Der Kurs schloss zuletzt bei 8,70 Euro — knapp über dem 52-Wochen-Tief von 8,56 Euro. Auf Jahressicht hat die Aktie rund 38 Prozent verloren. Seit dem Hoch im Juli 2025 bei 14,80 Euro sind es sogar gut 41 Prozent.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 23,3. Das signalisiert klar überkauftes — nein, überverkauftes Territorium. Der Kurs notiert mehr als 20 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Technisch gesehen ist das ein Extremzustand.
Pentagon-Liste und Zollmauern
Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist geopolitischer Natur. Das US-Verteidigungsministerium hat BYD auf die sogenannte „1260H“-Liste gesetzt — eine Aufstellung chinesischer Unternehmen mit angeblichen Verbindungen zum Militär. Peking reagierte am 22. Juni mit Handelsbeschränkungen gegen 56 US-Firmen, darunter Lockheed Martin und Raytheon.
Parallel dazu wachsen die Zollrisiken in wichtigen Märkten. In Brasilien steigen die Importsteuern auf teilmontierte Fahrzeuge ab Januar 2027 auf 35 Prozent. Für fertig montierte Elektroautos gilt das bereits ab Juli 2026. Die EU prüft zusätzliche Zölle auf Hybridfahrzeuge — ein Segment, in dem BYD stark vertreten ist. In Kanada signalisierte Industrieministerin Mélanie Joly Offenheit für Joint Ventures mit chinesischen Herstellern, allerdings nur bei mehrheitlich kanadischer Beteiligung und lokalen Lieferketten.
Energiespeicher als zweites Standbein
Während das Autogeschäft unter Druck steht, baut BYD sein Energiespeichergeschäft zügig aus. Am 8. Juni eröffnete das Unternehmen in Chile das Elena-Projekt — derzeit das größte Batteriespeicherprojekt in Amerika mit einer Kapazität von 3,5 GWh.
In Brasilien plant BYD eine neue Produktionslinie für stationäre Speichersysteme. Das Investment liegt bei rund 500 Millionen Brasilianischen Real, umgerechnet etwa 98 Millionen Dollar. Ob der Standort Manaus oder ein Neubau wird, entscheidet sich innerhalb der nächsten 90 Tage. Das Projekt zielt auf Brasiliens erste dedizierte Netzauktion für Stromspeicher im Dezember 2026 — und soll bis zu 400 direkte Arbeitsplätze schaffen.
Umbau innen, Showroom außen
Intern krempelt CEO Wang Chuanfu die Struktur um. Die zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilung wird in fünf eigenständige Markeninstitute aufgeteilt. Hintergrund: Die Inlandsnachfrage schwächelt. Von Januar bis Mai 2026 lagen die Verkäufe rund 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Nach außen setzt BYD auf Imagepflege. Beim Goodwood Festival of Speed 2026 plant der Konzern den größten Messeauftritt in der Geschichte des Events — mit acht Fahrzeugen, darunter die Weltpremiere des Denza Z Coupe und des Z Racing mit Dreimotorenantrieb und einer Spitzengeschwindigkeit von 350 km/h.
Das Bild ist also gespalten: ein Unternehmen, das strategisch in Bewegung bleibt, aber an den Märkten gerade kaum Vertrauen gewinnt. Ob die Energiespeicher-Offensive und die internationale Expansion mittelfristig den Kurs stabilisieren, wird sich spätestens nach der brasilianischen Netzauktion im Dezember zeigen.
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