BYD verkauft in Europa wie nie zuvor. Trotzdem bleibt die Aktie meilenweit von ihrem Jahreshoch entfernt. Diese Lücke zwischen operativem Erfolg und Kursentwicklung ist die eigentliche Geschichte hinter den neuen Zulassungszahlen vom Donnerstag.
Zulassungsdaten bestätigen Chinas Vormarsch
Die frischen Daten des europäischen Herstellerverbands ACEA zeigen ein klares Bild. Im Juni stiegen die gesamten Pkw-Neuzulassungen in Europa um 13,1 Prozent auf 1.407.332 Fahrzeuge. Elektrifizierte Antriebe trugen den Zuwachs fast allein.
Batterieelektrische Fahrzeuge legten um 51 Prozent zu, Plug-in-Hybride um 22,7 Prozent, klassische Hybride um 17,1 Prozent. Zusammen kommen diese drei Antriebsarten inzwischen auf fast 70 Prozent aller Neuzulassungen. Benziner und Diesel brachen dagegen um 12,2 beziehungsweise 16,9 Prozent ein.
Chinesische Hersteller nutzen diesen Umbruch konsequent aus. BYD, Chery und Leapmotor verkauften im Juni zwischen knapp drei- und sechsmal so viele Fahrzeuge wie im Vorjahr. SAIC und Geely legten um über 50 Prozent beziehungsweise 11 Prozent zu. Für das erste Halbjahr summieren sich die EU-Neuzulassungen auf ein Plus von 5,7 Prozent, batterieelektrische Modelle wuchsen um 40,5 Prozent auf 1,22 Millionen Einheiten.
Deutschland als Wachstumstreiber
Besonders deutlich zeigt sich der Trend in Deutschland, BYDs zweitgrößtem europäischen Markt. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte der Konzern hierzulande 26.264 Fahrzeuge — ein Plus von 318 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit übertrifft BYD bereits nach sechs Monaten das gesamte Jahresergebnis von 2025 mit 23.306 Einheiten.
Der Juni setzte mit 6.265 Zulassungen einen neuen Monatsrekord. Jeder Monat des laufenden Jahres fiel bislang besser aus als der vorherige. Die deutsche Tochtergesellschaft peilt für 2026 insgesamt 50.000 Verkäufe an und hatte zur Jahresmitte bereits 52,5 Prozent dieses Ziels erreicht.
Exporte gleichen schwache Heimat aus
Die europäischen Zuwächse fügen sich in ein größeres Muster: BYD verlagert sein Wachstum zunehmend ins Ausland, weil der Heimatmarkt schwächelt. Im Juni lieferte der Konzern weltweit 175.349 Fahrzeuge aus — ein Rekord und ein Sprung von 94,73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auslandslieferungen machten damit 43,46 Prozent aller Elektro- und Hybridverkäufe des Monats aus.
In China selbst sanken die Verkäufe im Juni auf 228.123 Einheiten, ein Rückgang von 22,02 Prozent im Jahresvergleich. Immerhin ein leichtes Plus von 2,39 Prozent gegenüber Mai deutet auf eine gewisse Stabilisierung hin.
Für das gesamte erste Halbjahr ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Auslandslieferungen kletterten um 70,65 Prozent auf 792.256 Fahrzeuge und stellen inzwischen 43,81 Prozent aller Verkäufe. Die Heimatverkäufe fielen dagegen um 39,57 Prozent auf 1.016.255 Einheiten — Chinas brutaler Preiskampf im E-Auto-Segment hinterlässt deutliche Spuren.
Aktie bleibt weit vom Hoch entfernt
Trotz der operativen Fortschritte tut sich die Aktie schwer. Das Papier notiert bei 9,83 Euro und damit 32,71 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,61 Euro, das fast genau vor einem Jahr erreicht wurde. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Minus von 31,75 Prozent zu Buche.
Kurzfristig hat sich die Stimmung immerhin etwas gebessert: Innerhalb der vergangenen 30 Tage legte der Kurs um 15,80 Prozent zu. Seit Jahresbeginn bleibt aber weiterhin ein Minus von 8,16 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen operativen Erfolgsmeldungen und Kursverlauf lässt sich kaum übersehen. Rekordzulassungen in Europa, beschleunigte Exporte und eine Rückkehr zu Verkaufswachstum in China stehen einem Aktienkurs gegenüber, der weiterhin weit unter seinem Höchststand notiert. Der andauernde Preiskrieg im Heimatmarkt drückt auf die Margen — und genau das dürfte Investoren trotz der internationalen Erfolge vorsichtig stimmen.
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