BYD-Aktien geraten am heutigen Dienstag unter Druck: Das Papier verliert 2,52 Prozent auf 9,93 Euro und setzt damit eine mehrtägige Schwächephase fort. Damit notiert der Titel bereits 24,96 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auslöser ist eine zwiespältige Verkaufsbilanz für Juli, die trotz starker Exportzahlen erneut Schwächen im heimischen Kerngeschäft offenlegt.
Inland schwächelt, Gesamtvolumen wächst dank Exporten
Im Juli lag das gesamte Produktions- und Absatzvolumen von BYD über dem Vorjahreswert, das Jahrestotal seit Januar bleibt aber weiterhin unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Der Grund liegt im chinesischen Heimatmarkt: Dort verkaufte BYD im Juli rund 223.000 Fahrzeuge, ein Rückgang von 18,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Die Diskrepanz zeigt, wie stark das Auslandsgeschäft inzwischen zum Wachstumstreiber geworden ist, während im Inland der scharfe Preiswettbewerb auf die Stückzahlen drückt. Auch im Juni war dieses Muster erkennbar: Weltweit setzte BYD mehr als 400.000 New-Energy-Fahrzeuge ab, ein Plus von 5,46 Prozent, während die Inlandsverkäufe um 22,02 Prozent einbrachen.
Margen im vierten Quartal 2025 unter den Erwartungen
Die zuletzt veröffentlichten Zahlen für das vierte Quartal 2025 untermauern das Bild eines Konzerns, der Volumen gegen Marge tauscht. Der Umsatz lag mit 237,7 Milliarden Yuan zwar knapp über der Konsensschätzung von 236,7 Milliarden Yuan, doch der Nettogewinn verfehlte mit 9,3 Milliarden Yuan die erwarteten 10,1 Milliarden Yuan deutlich.
Die Bruttomarge im Autogeschäft sank auf 21,6 Prozent statt der prognostizierten 22,5 Prozent, der durchschnittliche Verkaufspreis gab quartalsweise um 1.500 Yuan auf 135.000 Yuan nach.
Der Gewinn pro verkauftem Fahrzeug lag bei 6.700 Yuan und damit unter der von Analysten erwarteten Marke von 7.100 Yuan. Das Wirtschaftsportal 36Kr wertete die Entwicklung als Zeichen dafür, dass BYD seine dominante Stellung im chinesischen Massenmarkt einbüßt und sich zunehmend als Exportkonzern neu aufstellen muss.
Genau hier liegt der auffälligste Kontrast in den Zahlen: Im Ausland verdient BYD deutlich besser als zu Hause. Im vierten Quartal 2025 stammten 350.000 verkaufte Fahrzeuge und damit 26,3 Prozent des Absatzes aus dem Auslandsgeschäft, bei einem Durchschnittspreis von 186.000 Yuan und einer Bruttomarge von 28,1 Prozent – deutlich über dem Konzernschnitt.
Für 2026 hat sich BYD ein Exportziel von 1,5 bis 1,6 Millionen Fahrzeugen gesetzt und will damit einen Auslandsgewinn von 30 bis 32 Milliarden Yuan erwirtschaften. Die Verlagerung des Wachstums ins Ausland dürfte mittelfristig die Margen stabilisieren, verändert aber auch das Risikoprofil des Konzerns, der damit stärker von Handelspolitik und Wechselkursen abhängig wird.
Neue Modelle sollen das Heimatgeschäft stützen
Um dem Preisdruck im Inland zu begegnen, setzt BYD verstärkt auf technologisch anspruchsvollere Modelle im gehobenen Segment. Das Flaggschiff-SUV Da Tang EV erreichte innerhalb eines Monats nach Marktstart 10.000 Auslieferungen.
Das Fahrzeug bietet mit der zweiten Generation der Blade-Batterie und einer 1.000-Volt-Architektur eine Reichweite von bis zu 950 Kilometern und lädt in neun Minuten von 10 auf 97 Prozent.
Bei einem Preis um 300.000 Yuan positioniert sich der Da Tang EV direkt gegen Modelle wie den Leapmotor D19 und den Nio L90. Ergänzend baut BYD seine Ladeinfrastruktur aus: Bis Ende Juni waren konzernweit gut 7.000 Schnellladestationen in Betrieb.
Für Anleger bleibt die Ausgangslage gemischt: Der Konzern verliert im hart umkämpften chinesischen Massenmarkt an Boden, kompensiert dies aber zunehmend über margenstärkere Exporte und neue Premiummodelle. Ob dieser Umbau die Profitabilität schneller stabilisiert, als der Heimatmarkt weiter schrumpft, wird sich an den kommenden Quartalszahlen ablesen lassen.
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