BYD hat am Mittwoch die erste Flagship-Ladestation seiner „Flash Charging“-Technologie in Shanghai in Betrieb genommen. Die ehemalige Sinopec-Tankstelle wurde zu einem reinen Elektrofahrzeug-Hub umgebaut – Teil einer strategischen Partnerschaft, in deren Rahmen bis Jahresende 20.000 Ladestationen entstehen sollen.
Der Schritt zeigt, wie stark der chinesische Autobauer inzwischen auch auf Infrastruktur setzt, um seine wachsende Flotte an Elektrofahrzeugen alltagstauglich zu machen.
Assistenzsystem sammelt riesige Datenmengen
Am Freitag meldete BYD, dass seine Flotte mit Fahrassistenzsystemen die Marke von 3,52 Millionen Fahrzeugen überschritten hat. Das System „DiGod’s Eye“ generiert nach Unternehmensangaben täglich mehr als 220 Millionen Kilometer an Fahrdaten.
Diese Datenbasis dürfte die Weiterentwicklung der Assistenzfunktionen beschleunigen und unterstreicht den Anspruch des Konzerns, im Bereich autonomes Fahren mit westlichen Wettbewerbern mitzuhalten.
Erst am 11. August hatte BYD mit dem „2027 Seal 06“ das erste Modell seiner Preisklasse vorgestellt, das mit dem LiDAR-gestützten System „God’s Eye B“ ausgestattet ist – zum Einstiegspreis von 99.900 Yuan.
Auch bei neuen Modellen bleibt das Tempo hoch. Am Freitag vor einer Woche startete der Verkauf der Limousine Qin Max, die als Plug-in-Hybrid ab 99.900 Yuan und als reines Elektrofahrzeug ab 109.900 Yuan angeboten wird. Beide Varianten nutzen die „Flash-Charging“-Technologie mit 1.500 Kilowatt Ladeleistung.
Am Donnerstag öffnete BYD zudem die Vorbestellungen für das SUV Sealion 08, das Flaggschiff der Ocean-Serie, mit Preisen zwischen 230.000 und 280.000 Yuan. Parallel dazu zeigen Zulassungsunterlagen der chinesischen Industrie- und Informationstechnologiebehörde, dass die kommende Denza N8 der BYD-Submarke Denza eine maximale rein elektrische Reichweite von 1.003 Kilometern erreicht.
Export bleibt Wachstumstreiber, Heimatmarkt schwächelt
Die operative Dynamik zeigt sich auch in den Verkaufszahlen. Im Juli setzte BYD 419.211 Fahrzeuge mit alternativem Antrieb ab, ein Plus von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wurde dieses Wachstum von Rekordexporten in Höhe von 179.841 Einheiten, ein Anstieg von 124,3 Prozent.
Im Inlandsgeschäft dagegen gingen die Auslieferungen um 9 Prozent zurück – ein Hinweis darauf, dass der intensive Preiswettbewerb auf dem chinesischen Heimatmarkt dem Konzern zusetzt. In den ersten sieben Monaten des Jahres summierten sich die Verkäufe auf 2.227.722 Einheiten, ein Rückgang von 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Bank of America Securities reagierte darauf Anfang August mit einer Anhebung des Kursziels auf 123 Hongkong-Dollar von zuvor 119 Hongkong-Dollar bei bestätigtem „Buy“-Rating, senkte zugleich aber die Absatzprognose für 2026 um 5 bis 10 Prozent wegen der Schwäche im Heimatmarkt. Wenige Tage zuvor hatte auch DBS seine „Buy“-Einstufung mit einem Kursziel von 150 Hongkong-Dollar bekräftigt.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse hat sich die operative Dynamik bislang nicht niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Freitag bei 9,79 Euro und notiert damit 26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro, das sie im vergangenen Jahr am 26. August markiert hatte.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 8,6 Prozent zu Buche. Der Rückgang der Aktie um 0,5 Prozent seit der Aufsichtsratssitzung zu den Halbjahreszahlen am vergangenen Mittwoch reiht sich in dieses Bild eines Marktes ein, der die Exporterfolge und den technologischen Ausbau bislang skeptisch bewertet.
Am 28. August wird der Aufsichtsrat die Halbjahreszahlen zum 30. Juni 2026 final prüfen und freigeben – ein Termin, der weitere Klarheit über die Profitabilität des Exportgeschäfts bringen dürfte.
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