BYD baut sein globales Netz gerade in einem Tempo aus, das kaum ein Wettbewerber mithalten kann. Gleichzeitig notiert die Aktie auf einem 52-Wochen-Tief. Der Widerspruch zwischen operativer Stärke und Kursschwäche ist das bestimmende Thema für Investoren.
2 Milliarden Euro für Europas Ladenetz
Der Kern der Expansion ist ein massives Ladeinfrastrukturprogramm. BYD plant, bis Ende 2026 weltweit 6.000 Schnellladestationen zu bauen. Die Hälfte davon — 3.000 Standorte — entfallen auf Europa. Das Investment dafür: rund 2 Milliarden Euro. Jede einzelne Station kostet etwa 580.000 Euro.
Die ersten 1.500-kW-Stationen sind bereits in Deutschland und Großbritannien in Betrieb. Sie sind auf BYDs neue Blade Battery 2.0 und das Flash-Charging-2.0-System ausgelegt. In chinesischen Tests lädt dieses System ein Fahrzeug in neun Minuten von 10 auf 97 Prozent. Das ist kein Marketing — das ist ein technischer Angriff auf die Reichweitenangst europäischer Käufer.
Südkorea und das neue Flaggschiff
Parallel dazu drängt BYD in den südkoreanischen Markt. In Seoul bestätigten Unternehmensvertreter den offiziellen Einstieg mit der hauseigenen DM-i-Hybridtechnologie. Vorgestellt wird sie auf der Busan Mobility Show, die am 26. Juni öffnet. Die Strategie: Plug-in-Hybride, bei denen der Elektromotor dominiert — gedacht für Käufer, die Reichweite wollen, aber noch nicht vollständig auf Verbrenner verzichten.
Kurz davor, am 17. Juni, startete BYD den Verkauf des Datang. Der fast 5,3 Meter lange Premium-SUV kostet zwischen 239.900 und 309.900 Yuan — umgerechnet rund 33.000 bis 43.000 US-Dollar. Mehr als 150.000 Vorbestellungen gingen ein, bevor das Fahrzeug überhaupt offiziell auf dem Markt war.
Aktie im Überverkauf-Bereich
Die Kursentwicklung erzählt eine andere Geschichte. Die BYD-Aktie fiel heute auf ein neues 52-Wochen-Tief von 8,82 Euro und schloss bei 8,98 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 18 Prozent verloren. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus sogar 36 Prozent.
Der RSI liegt bei 26,7 — technisch klar im überverkauften Bereich. Die Aktie notiert fast 18 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 10,94 Euro. Handelshemmnisse und Bewertungsdruck auf chinesische Titel belasten den Kurs trotz starker Fundamentaldaten.
Ob die Expansionsnachrichten eine Trendwende einleiten, hängt davon ab, wie schnell das europäische Ladegeschäft skaliert und ob der Datang die Vorbestellungen in tatsächliche Auslieferungen verwandelt. Erste belastbare Zahlen dazu dürften im dritten Quartal vorliegen.
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