BYD sorgt heute gleich mit mehreren Nachrichten für Aufmerksamkeit. Die Aktie legt am Mittwoch um 2,44 Prozent auf 10,40 Euro zu und setzt damit ihre Erholung fort: Allein in den vergangenen 30 Tagen kletterte der Kurs um 26,36 Prozent. Getrieben wird die Rally von einer Serie positiver Unternehmensmeldungen, die von einem gewonnenen Großauftrag im Energiegeschäft bis zu neuen Absatzrekorden bei Elektroautos reichen.
Tesla erneut abgehängt
Im zweiten Quartal 2026 lieferte BYD weltweit 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge aus, Tesla kam auf 480.126 Einheiten. Der chinesische Hersteller sichert sich damit erneut die globale Krone bei reinen Elektroautos, mit einem Vorsprung von rund 77.000 Fahrzeugen gegenüber dem US-Konkurrenten. Es ist bereits die wiederholte Bestätigung eines Trends, der BYD in den vergangenen Quartalen zum weltweit größten Anbieter von New-Energy-Fahrzeugen gemacht hat.
BYD-Vizepräsidentin Stella Li ordnete die Wachstumsstrategie auf der Beijing Auto Show ein und erklärte, der Konzern könne auch ohne Zugang zum US-Markt bestehen. Die Nachfrage übersteige das Angebot, so Li, und die Flash-Charging-Technologie erlaube es, in wenigen Minuten Hunderte Kilometer Reichweite nachzuladen. Zugleich räumte sie ein, dass die Inlandsverkäufe zuletzt sieben Monate in Folge gesunken seien. Diesem Rückgang steht ein deutliches Auslandswachstum gegenüber: Im ersten Quartal 2026 legten die Europa-Verkäufe um 156 Prozent zu. Li sieht in der verschärften Wettbewerbslage zudem einen möglichen Auslöser für eine Konsolidierung der Branche.
Masdar-Auftrag: BYD schnappt CATL einen Großkunden weg
Für Aufsehen sorgt auch ein Geschäft im Bereich Batteriespeicher. BYD hat sich einen Liefervertrag über 18,775 GWh mit dem Abu Dhabi-Investor Masdar gesichert – ein Auftrag, der ursprünglich als Domäne des Konkurrenten CATL galt. Das Volumen reiht sich in eine wachsende Liste internationaler Energiespeicherprojekte ein: Erst im Juli hatte BYD Energy Storage bereits einen separaten Liefervertrag über 11,275 GWh für ein rund um die Uhr laufendes Erneuerbaren-Projekt von Masdar in Abu Dhabi unterzeichnet, das 5,2 GW Solarkapazität mit 19 GWh Batteriespeicher kombiniert. Hinzu kommen Projekte in Kalifornien und Saudi-Arabien. Der Konzern baut sein Geschäft jenseits des Autobaus damit sichtbar aus und positioniert sich als ernstzunehmender Rivale der etablierten Batteriehersteller im Speichermarkt.
Fortune Global 500: Fünfter Platz unter den Top 100 in Folge
Parallel dazu bestätigte das Fortune-Magazin BYD auf Rang 91 der Global-500-Liste für 2026 – das fünfte Jahr in Folge unter den 500 größten Unternehmen weltweit und der zweite Platz in Folge innerhalb der Top 100. Der Aufstieg des Konzerns verlief rasant: 2022 debütierte BYD noch auf Platz 436, es folgten Rang 212, Rang 143 und schließlich Rang 91. Für 2025 weist BYD einen Umsatz von 804 Milliarden Yuan und einen Nettogewinn von 32,6 Milliarden Yuan aus, bei einem Absatz von 4,6 Millionen New-Energy-Fahrzeugen – erneut die weltweite Spitzenposition. Die Auslandsverkäufe legten 2025 um 145 Prozent auf über eine Million Einheiten zu, im ersten Halbjahr 2026 kamen bereits 780.000 Fahrzeuge im Ausland hinzu.
Neue Modelle und Technologien treiben die Expansion
Die internationale Präsenz spiegelt sich auch in jüngsten Modellstarts wider. In Japan brachte BYD den vollelektrischen Kei-Car Racco auf den Markt, mit einer Reichweite von bis zu 320 Kilometern in der höheren Ausstattungsvariante – der erste Kei-Car mit über 300 Kilometern WLTC-Reichweite. Auf den Philippinen startete zudem der Atto 2 mit zwei Antriebsvarianten, darunter ein Plug-in-Hybrid mit einer Gesamtreichweite von 1.340 Kilometern.
Auch technologisch treibt BYD voran: Der selbstentwickelte 4-Nanometer-Chip Xuanji A3 soll Fahrassistenzsysteme der Stufen L3 und L4 unterstützen, während der Konzern für August die Vorstellung eines humanoiden Roboters angekündigt hat. Vizepräsident Li Ke nannte als Ziel, binnen ein bis zwei Jahren zwei bis drei solcher Roboter für den Kundenservice in BYD-Showrooms einzusetzen. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der die US-Regierung den Import neuer chinesischer humanoider Roboter aus Sicherheitsgründen untersagt hat – wovon laut Nikkei Asia insbesondere der Hersteller Unitree betroffen ist. Für BYDs eigene Robotik-Pläne dürfte dies zunächst ohne unmittelbare Folgen bleiben, da sich das Vorhaben noch in einer frühen Phase befindet.
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