In Europa herrscht plötzlich Waffengleichheit. BYD und Tesla teilen sich erstmals denselben Marktanteil auf dem Kontinent. Das ist keine Randnotiz — es markiert eine Verschiebung, die vor einem Jahr noch undenkbar war.
Europa als symbolischer Wendepunkt
Neue Zahlen des europäischen Herstellerverbands ACEA vom 23. Juli zeigen es schwarz auf weiß. BYD steigerte seinen Marktanteil von 1,0 Prozent im ersten Halbjahr 2025 auf 2,4 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Tesla legte im selben Zeitraum von 1,6 auf ebenfalls 2,4 Prozent zu.
Beide Marken liegen damit exakt gleichauf. In absoluten Zahlen meldete BYD 174.144 Neuzulassungen, Tesla kam auf 170.351 Fahrzeuge. Der Abstand beträgt keine 4.000 Einheiten mehr — vor einem Jahr lag BYD noch rund 39.000 Fahrzeuge zurück.
Ein direkter Vergleich hinkt allerdings. BYD verkauft deutlich günstigere Modelle, darunter Hybride, während Tesla ausschließlich reine Elektrofahrzeuge anbietet. Im Juni allein zog Tesla mit 38.455 BYD-Zulassungen zwar noch vorbei. Das Wachstumstempo lag bei BYD mit 144,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat aber deutlich höher.
Aktie bleibt hinter dem Gesamtmarkt zurück
Die guten Nachrichten aus Europa haben den Kurs kaum bewegt. Die deutsche BYD-Notierung schloss am Freitag bei 9,76 Euro, ein Plus von 0,63 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,34 Prozent zu Buche — die Hongkonger Muttergesellschaft blieb zudem hinter dem breiter gefassten Hang-Seng-Index zurück.
Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings ein anderes Bild. Die Aktie legte um 14,06 Prozent zu, ein Rebound, der nach den Juni-Verkaufszahlen einsetzte. Zum bisherigen Rekordhoch von 14,54 Euro aus dem Juli 2025 fehlen der Aktie trotzdem noch rund 33 Prozent.
Dividende steht in der kommenden Woche an
Für einkommensorientierte Anleger rückt ein Termin näher. BYD zahlt am 31. Juli eine Schlussdividende von 0,358 Renminbi je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 aus. Anspruchsberechtigt sind Aktionäre, die am 18. Juni im Register standen.
Der Ex-Dividenden-Tag lag bereits am 11. Juni, die Bücher waren vom 15. bis 18. Juni geschlossen. Halter von H-Aktien erhalten umgerechnet etwa 0,41 Hongkong-Dollar je Anteil. Die Auszahlung liegt noch einige Tage in der Zukunft und hat mit der Kursbewegung am Freitag nichts zu tun.
Erholung ohne Bestätigung durch die Bilanz
Die Juni-Verkaufszahlen liefern den eigentlichen Treiber der jüngsten Kurserholung. BYD lieferte im Juni 403.472 New-Energy-Fahrzeuge aus, ein Plus von 5,46 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Ausland erreichte der Konzern mit 175.349 Fahrzeugen einen Rekord — ein Sprung von 94,73 Prozent.
Im Heimatmarkt sieht das Bild anders aus. Die Verkäufe in China fielen um 22,02 Prozent auf 228.123 Einheiten. Der Kontrast zwischen Auslandsboom und Inlandsschwäche prägt die gesamte Halbjahresbilanz.
Über die ersten sechs Monate summierten sich die NEV-Verkäufe auf 1.808.511 Fahrzeuge, ein Rückgang von 15,72 Prozent im Jahresvergleich. Die Auslandslieferungen kletterten dagegen um 70,65 Prozent auf 792.256 Fahrzeuge und machten damit 43,81 Prozent des gesamten Absatzes aus.
Der Kurs notiert derzeit rund 8 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 10,59 Euro. Das technische Bild spiegelt genau diesen Zwiespalt wider: ein Konzern zwischen starkem Europa-Export und einem Heimatmarkt, der noch immer unter intensivem Preiswettbewerb leidet. Im Blick der Anleger stehen als Nächstes die Juli-Verkaufszahlen sowie die Frage, ob die Dividende am 31. Juli plangemäß fließt.
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