Starke Fabriken, schwacher Heimatmarkt — bei BYD klaffen operative Leistung und lokales Branchenumfeld derzeit weit auseinander. Der Autobauer ignoriert die Krise und meldet stattdessen einen historischen Meilenstein in der Fertigung.
Am Mittwoch lief das 17-millionste Elektroauto von BYD vom Band. Damit erreicht der Konzern diese Marke als weltweit erster Autobauer.
Das Tempo der Expansion beeindruckt enorm. Zwischen den letzten beiden Millionen-Marken lagen gerade einmal 82 Tage. Für die allererste Million brauchte der Konzern noch mehr als zwölf Jahre.
Der Seal 08 als Zugpferd
Das aktuelle Jubiläumsauto ist der neue Seal 08. Die Flaggschiff-Limousine kam Anfang Juli auf den Markt. Laut dem Portal Yiche liegen bereits über 100.000 feste Bestellungen vor.
Kein Wunder. Technisch punktet das Modell mit extrem kurzen Ladezeiten. Fünf Minuten am Stecker bringen 400 Kilometer neue Reichweite. Die maximale Strecke für die reine Elektroversion gibt BYD mit über 900 Kilometern an.
Parallel baut der Konzern die eigene Lade-Infrastruktur massiv aus. Bis Ende 2026 sollen in China 20.000 neue Schnellladestationen entstehen. Das stärkt das hauseigene Ökosystem.
Export fängt Heimatmarkt auf
Diese aggressive Expansion trifft auf ein sehr schwieriges lokales Umfeld. Der chinesische Automarkt schrumpft spürbar. Im Juni brachen die nationalen Pkw-Verkäufe um über 23 Prozent ein. Es war bereits der achte Rückgang in Folge.
BYD fängt diese Flaute durch starke Exporte auf. Im ersten Halbjahr verkaufte der Konzern weltweit rund 1,8 Millionen Fahrzeuge. Fast 790.000 Einheiten davon gingen ins Ausland. Das entspricht einem kräftigen Export-Wachstum von 68 Prozent.
Börse bleibt skeptisch
Trotz der operativen Erfolge agieren Investoren vorsichtig. Am Freitag kletterte die Aktie zwar leicht auf 9,52 Euro. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein klares Minus von rund 13 Prozent auf der Kurstafel.
Vom alten Rekordhoch bei 14,80 Euro ist das Papier weit entfernt. Die Lücke zwischen fundamentalen Produktionsrekorden und der Marktbewertung bleibt folglich bestehen. Solange der chinesische Binnenmarkt weiter schrumpft, muss das Auslandsgeschäft die gesamte Wachstumsstory des Konzerns absichern.
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