BYD liefert operativ ab. Die Aktie fällt trotzdem. Am Mittwoch rutschte das Papier des chinesischen Autobauers um 1,50 Prozent auf 9,83 Euro ab, obwohl das Unternehmen gleich mehrere starke Nachrichten aus Produktion und Vertrieb meldete.
Neues Flaggschiff verkauft sich rasant
Der Da Tang EV, BYDs neuer Premium-SUV, erreicht schon einen Monat nach Marktstart einen wichtigen Meilenstein. Lu Tian, Vertriebschef der Dynasty-Baureihe, bestätigte am Mittwoch: Am 23. Juli 2026 rollt das 10.000ste Fahrzeug in Koktokay, Xinjiang, vom Band. Der offizielle Verkaufsstart war erst am 17. Juni.
Das Modell zielt auf das margenstarke D-Segment. Es bietet sieben Sitze in einer 2+2+3-Anordnung und kostet zwischen 239.900 und 309.900 Yuan, umgerechnet rund 35.420 US-Dollar am unteren Ende. Noch vor dem Marktstart sammelte BYD mehr als 150.000 Bestellungen für den Wagen.
Technisch setzt der Da Tang neue Maßstäbe für die Marke. Er ist das erste Modell seiner Klasse mit BYDs Blade-Batterie der zweiten Generation und schafft bis zu 950 Kilometer Reichweite mit einer Ladung. Die 1.000-Volt-Architektur ermöglicht Schnellladen von 10 auf 97 Prozent in nur neun Minuten.
Die Allradvariante mit zwei Motoren leistet 585 Kilowatt und beschleunigt in 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Eine Luftfederung mit Doppelkammer-System, DiSus-A genannt, soll zusätzlich für Komfort im Premiumsegment sorgen.
Werke laufen auf Hochtouren
Die Nachfrage zwingt BYD zum Personalaufbau. Am Mittwoch startete der Konzern in der Shenshan Special Cooperation Zone eine große Rekrutierungskampagne. Gesucht werden über 9.000 neue Mitarbeiter für das Komponentenwerk Ebu und die Fahrzeugfabrik Xiaomo.
Der Schritt folgt auf ein starkes erstes Halbjahr. Die Auslandsverkäufe erreichten in diesem Zeitraum rund 789.400 Fahrzeuge.
Auch in Südamerika expandiert BYD in hohem Tempo. Das Werk in Camaçari, Brasilien, produzierte am 16. Juli 2026 sein 100.000stes Elektrofahrzeug. Die Fabrik nahm erst am 1. Juli 2025 den Betrieb auf und beschäftigt mittlerweile mehr als 5.500 Menschen. Diese Stückzahl in gut einem Jahr zu erreichen, unterstreicht das Expansionstempo des Konzerns außerhalb Chinas.
Australien reguliert Kompensationsfall
Nicht alles läuft reibungslos. BYD Australia kündigte am Dienstag an, die Entschädigung für rund 1.200 Kunden auf 3.500 US-Dollar zu erhöhen. Hintergrund ist ein Verwaltungsfehler bei den Baudaten der Fahrzeuge. Nach Unternehmensangaben haben bereits 72 Prozent der betroffenen Kunden das Angebot angenommen.
Chart zeigt Konsolidierung
Der Kursrückgang vom Dienstagsschluss bei 9,98 Euro auf aktuell 9,83 Euro fällt in eine Phase, in der die Aktie technisch feststeckt. Zwar liegt der Kurs 22,40 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 8,03 Euro vom 30. Juni, doch die 200-Tage-Linie bei 10,61 Euro bremst weiterhin jeden Erholungsversuch. Der RSI von 56 signalisiert ein neutrales Momentum, weder überkauft noch überverkauft.
Die operativen Erfolge bei Da Tang, Camaçari und der internationalen Expansion spiegeln sich damit noch nicht im Kurs. Ob der SUV mit seiner starken Auftragslage diesen Widerspruch in den kommenden Wochen auflösen kann, bleibt eine Frage der Charttechnik – die 200-Tage-Linie bei 10,61 Euro bleibt vorerst die entscheidende Hürde.
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