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BYD: 471 chinesische Arbeiter in Brasilien illegal eingeschleust

BYD sieht sich vor der Quartalsbilanz mit Vorwürfen zu Arbeitsbedingungen in Brasilien und Ungarn konfrontiert. Analysten erwarten deutliche Gewinneinbußen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Eintrag in Brasiliens Schwarzer Liste
  • China Labor Watch kritisiert Ungarn-Werk
  • Quartalszahlen mit Gewinnrückgang erwartet
  • Aktie verliert sechs Tage in Folge

Zwei Kontinente, dieselben Vorwürfe, ein Konzern. BYD steht wegen Berichten über Zwangsarbeit auf Baustellen in Brasilien und Ungarn unter Druck — und das ausgerechnet Tage vor der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen.

Brasilien: Schwarze Liste mit Hintertür

Das brasilianische Arbeitsministerium hat BYD im Frühjahr 2025 in die sogenannte „lista suja“ aufgenommen, das offizielle Register für Arbeitgeber mit sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen. Grundlage waren Inspektionen am Werksgelände in Camaçari, Bahia. Bei einer Razzia im Dezember 2024 wurden 471 chinesische Arbeiter ohne gültige Einreisedokumente angetroffen, 163 von ihnen aus sklavenähnlichen Verhältnissen befreit. Steuerprüfer fanden zudem Belege dafür, dass BYD selbst brasilianische Einwanderungsbehörden getäuscht hatte.

Die Konsequenzen sind handfest: Unternehmen auf der Liste verlieren den Zugang zu staatlichen Krediten und geraten ins Visier privater Banken — auch solcher, die Autohändler und Fahrzeugkäufer finanzieren.

Allerdings bleibt die Rechtslage offen. Ein brasilianisches Gericht setzte die Listung vorübergehend aus mit der Begründung, die Bauarbeiter seien nicht direkt bei BYD angestellt gewesen. Im Januar hatte der Konzern bereits eine Einigung mit der brasilianischen Arbeitsstaatsanwaltschaft erzielt und rund 40 Millionen Brasilianische Real gezahlt — knapp acht Millionen US-Dollar. Von der Liste gestrichen wird BYD damit nicht automatisch: Dafür sind zwei Jahre ohne neue Verstöße nötig.

Ungarn: Dieselbe Baustelle, derselbe Auftragnehmer

Parallel dazu veröffentlichte die Nichtregierungsorganisation China Labor Watch einen Bericht über mutmaßliche Arbeitsverstöße am BYD-Werk in Szeged — Europas erstem BYD-Werk, das in diesem Quartal die Serienproduktion aufnehmen soll. Die Anlage ist eine Sechs-Milliarden-Yuan-Investition und soll rund 300.000 Fahrzeuge jährlich für den europäischen Markt produzieren.

Laut dem Bericht arbeiteten chinesische Wanderarbeiter sieben Tage die Woche, bis zu 14 Stunden täglich, ohne Überstundenvergütung. Löhne sollen bis zu drei Monate verzögert ausgezahlt worden sein. Hohe Vermittlungsgebühren schufen eine Art Schuldknechtschaft. Im Februar 2026 starb ein chinesischer Arbeiter auf dem Gelände; die ungarischen Behörden ermitteln.

BYD verwies in beiden Fällen auf den Subunternehmer Jinjiang Group — denselben Baubetrieb, der sowohl in Brasilien als auch in Ungarn tätig war.

Quartalszahlen mit Gegenwind

Das Szeged-Werk ist für BYD strategisch zentral: Es soll helfen, die EU-Ausgleichszölle von 17 Prozent auf chinesische Elektrofahrzeuge zu umgehen. Geraten die Arbeitsbedingungen dort stärker in den Fokus europäischer Regulierer, könnte das diese Strategie empfindlich treffen.

Am Montag, den 28. April, tagt der BYD-Vorstand in Shenzhen, um die ungeprüften Ergebnisse des ersten Quartals 2026 zu billigen. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 134 Milliarden Yuan — ein Rückgang von über 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie soll auf 0,55 Yuan fallen, fast halbiert im Jahresvergleich. Der Vergleichszeitraum ist dabei besonders ungünstig: Im ersten Quartal 2025 hatte BYD seinen Nettogewinn noch verdoppelt.

Die OTC-gehandelten Aktien schlossen am Freitag bei 12,99 US-Dollar — nach sechs Verlusttagen in Folge. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch rund 16 Prozent im Plus, was darauf hindeutet, dass der Gewinnrückgang bereits eingepreist ist. Ob die Reputationsrisiken aus Brasilien und Ungarn das ändern, zeigt sich spätestens am Montag.

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Diskussion zu BYD

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.