Die Kraftstoffpreise klettern auf historische Höchststände, nun steuert die Politik mit Milliarden gegen. Bund und Länder haben sich auf einen befristeten Tankrabatt verständigt, der die Kosten an den Zapfsäulen ab Anfang Oktober um 17 Cent pro Liter senken soll. Für das bis zum Jahresende 2026 laufende Paket stellen die öffentlichen Haushalte 2,5 Milliarden Euro bereit, ergänzt um die Perspektive auf einen späteren Preisdeckel.
Entlastung an der Zapfsäule und Pläne für 2027
Die Maßnahme setzt direkt bei den Abgaben an. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel soll rechnerisch um 14 Cent je Liter sinken. Rechnet man die Mehrwertsteuer hinzu, ergibt sich ein rechnerischer Abschlag von 17 Cent pro Liter Kraftstoff. Bund und Länder teilen sich die Kosten für das Vorhaben jeweils zur Hälfte.
Der Schritt reagiert auf eine spürbare Teuerung an den Tankstellen, angetrieben durch den Konflikt im Nahen Osten. Am Donnerstag kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,471 Euro. Super E10 lag parallel bei 2,308 Euro.
Über das laufende Jahr hinaus verständigten sich die Spitzen von Bund und Ländern auf ein zweites Instrument. Frühestmöglich, spätestens jedoch zum 1. Januar 2027, soll ein krisenbedingter Spritpreisdeckel greifen. Als Orientierung dienen die bestehenden Regelungen in Belgien und Luxemburg. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mahnte hierbei zur Vorsicht, um die heimische Industrie nicht zu gefährden: Elf Raffinerien in Deutschland seien unverzichtbar für die Energieversorgung und dürften nicht geschwächt werden.
Scharfe Kritik an Treffsicherheit
Verbraucherschützer und Verbände sehen das Vorhaben mit großer Skepsis. Der Vorwurf lautet, dass die Maßnahme nach dem Gießkannenprinzip funktioniere und vor allem Besserverdienende begünstige. Auch Umweltverbände warnen vor Mitnahmeeffekten und befürchten, dass ein beträchtlicher Teil der staatlichen Hilfen bei den Mineralölkonzernen verbleibt, statt die Autofahrer voll zu erreichen.
Die Bundesregierung stellte daraufhin in Aussicht, Anfang 2027 gezieltere Hilfen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen einzuführen. Parallel dazu soll ein Mechanismus für einkommensbezogene Direktauszahlungen aufgebaut werden, um künftige Belastungen zielgenauer abzufedern.
