Broadcom-Aktien legten am Mittwoch um 4,5 Prozent zu, mitgezogen von einer branchenweiten Rally im Halbleitersektor. Auslöser war der Quartalsbericht von Nvidia vom Mittwoch, der für das zweite Geschäftsquartal 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar auswies – ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und eine Umsatzwachstumsprognose von rund 70 Prozent für das kommende Geschäftsjahr in Aussicht stellte. Der Kurssprung zeigt, wie eng Broadcom inzwischen mit der Erwartungshaltung des gesamten KI-Chipsektors verknüpft ist.
Der eigentliche Treiber für Broadcom bleibt jedoch die eigene Position im Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips. Berichten zufolge hat OpenAI gemeinsam mit Broadcom einen speziellen Inferenz-Chip mit dem Namen „Jalapeño“ entwickelt, der in ersten Tests bestehende KI-Beschleuniger übertroffen haben soll.
Der Einsatz in Rechenzentren ist für das Ende dieses Jahres geplant. Sollte sich das bestätigen, würde Broadcom seine Stellung als zweitgrößter Anbieter von KI-Chips weltweit weiter festigen – eine Einordnung, die BMO Capital Markets bereits Mitte des Monats bei der Aufnahme der Coverage mit einem Kursziel von 455 Dollar traf.
Kyndryl-Allianz stärkt Cloud-Geschäft
Neben dem Chipgeschäft baut Broadcom auch seine Position im Cloud- und Softwaregeschäft aus. Der IT-Dienstleister Kyndryl kündigte am Donnerstag eine erweiterte strategische Partnerschaft mit Broadcom an.
Im Zentrum steht VMware Cloud Foundation 9.1: Kyndryl übernimmt Beratung und Managed Services für souveräne und KI-taugliche private Cloud-Umgebungen. Das Geschäft mit VMware zählt seit der Übernahme zu den zentralen Wachstumssäulen von Broadcom und dürfte durch die Allianz zusätzlichen Rückenwind erhalten.
Parallel dazu bietet Broadcom über seinen Partner Carahsoft US-Bundesbehörden bis Ende September einen 85-prozentigen Rabatt auf gebündelte Symantec-Sicherheitslösungen an – ein Signal, dass der Konzern auch im öffentlichen Sektor Marktanteile im Sicherheitsgeschäft sichern will.
Wettbewerbsdruck durch Marvell bleibt im Hintergrund
Nicht alle Nachrichten fielen zuletzt positiv aus. Die vor gut einer Woche bekannt gewordene Milliarden-Finanzierung für KI-Infrastruktur über Blackstone und Apollo Global Management, mit der Broadcom offenbar Kunden wie Anthropic beliefern will, sorgte seither für verhaltene Kursbewegungen von nur 1,1 Prozent.
Auch die Ende Juli aufgetauchte Konkurrenz durch die Google-Marvell-Allianz belastet das Sentiment weiterhin, auch wenn sie durch die aktuelle Rally überlagert wurde.
Charttechnisch notiert die Aktie mit 319,05 Euro rund 26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro, das im Frühsommer erreicht wurde. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 318,83 Euro besteht praktisch kein Abstand mehr, was auf eine Konsolidierung nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen hindeutet.
RBC Capital Markets sieht das Unternehmen unterdessen für einen „Beat and Raise“ beim nächsten Quartalsbericht positioniert, gestützt auf starke Nachfrage im Netzwerk- und Optik-Segment.
Die Investmentgesellschaft ARK Invest kaufte am Mittwoch rund 57.700 Broadcom-Aktien für ihre aktiv gemanagten ETFs – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein prominenter Investor trotz der jüngsten Volatilität an der langfristigen Story festhält.
Die nächste Bewährungsprobe steht bereits fest: Am 2. September legt Broadcom seine Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor, der Konsens erwartet einen Umsatz von 29,24 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 3,22 Dollar.
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