Broadcom rutscht unter Druck – und diesmal sind es nicht nur Chartsignale, die Anleger beunruhigen. Der Chiphersteller gerät zwischen fallenden Kursen und wachsender Skepsis der Bondmärkte, die sein wachsendes Engagement in der Finanzierung von KI-Infrastruktur genauer unter die Lupe nehmen.
Charttechnik verliert an Boden
Nach dem Rückfall unter die 50-Tage-Linie steht die Aktie erneut unter Verkaufsdruck. Der Unterstützungsbereich um 356 bis 357 US-Dollar rückt in den Fokus, während sich auch die 200-Tage-Linie als nächste Bewährungsprobe abzeichnet. Zuletzt notierte das Papier bei rund 360 US-Dollar, ein Tagesverlust von über zwei Prozent.
Bondtrader preisen höheres Risiko ein
Parallel zur Kursschwäche ziehen die Risikoaufschläge am Anleihemarkt an. Die Rendite der 2031 fälligen Broadcom-Anleihe mit 5,15 Prozent Kupon kletterte im August um rund 14 Basispunkte. Noch deutlicher fiel die Bewegung bei den fünfjährigen Credit-Default-Swaps aus, die im gleichen Zeitraum um 28 Basispunkte zulegten – stärker als bei Oracle oder SpaceX.
Hintergrund ist Broadcoms wachsende Rolle als Finanzier großer KI-Chip-Deals. Das Unternehmen verhandelt aktuell über eine Beteiligung an einem Finanzierungspaket von mehr als 60 Milliarden Dollar, das unter anderem Anthropic zugutekommen soll.
Broadcom könnte dabei einen Teil des besicherten Anleiheanteils garantieren. Bereits in diesem Jahr hatte der Konzern zugesagt, einen Großteil eines 35 Milliarden Dollar schweren Pakets abzusichern, mit dem Apollo Global Management und Blackstone den Kauf von KI-Chips für Anthropic finanzierten.
Solche Garantien sind 2026 branchenweit üblich geworden – auch Nvidia nutzt vergleichbare Konstruktionen, um Kunden beim Ausbau ihrer Cloud-Infrastruktur finanziell zu unterstützen. Kritiker sehen darin allerdings ein Risiko, das in den Bilanzen kaum sichtbar wird: Bei einem Abschwung der Branche müssten die Chiphersteller möglicherweise Milliarden an Zusagen einlösen, während die eigenen Erträge unter Druck stehen.
Geschäft mit Partnern läuft weiter
Operativ bleibt Broadcom derweil aktiv im Ausbau seines Partnernetzwerks. Rackspace Technology hat mit „Rackspace Cloud“ eine neue Plattform gestartet, die auf Broadcoms VMware Cloud Foundation 9.1 basiert und Unternehmen den Zugang zu verwalteten privaten Cloud-Umgebungen erleichtern soll.
Nach Broadcom-eigenen Erhebungen planen bereits 56 Prozent der Unternehmen, produktive KI-Inferenz in privaten Cloud-Umgebungen zu betreiben – ein Trend, von dem das VMware-Geschäft profitieren dürfte.
Für die Aktie zählt aktuell jedoch weniger das Partnergeschäft als die Frage, wie belastbar die Bilanz angesichts der milliardenschweren Finanzierungszusagen bleibt. Hält die Unterstützung bei 356 bis 357 US-Dollar nicht, rückt die 200-Tage-Linie als nächste Marke in den Blick.
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