Nach dem kräftigen Kurssprung infolge des milliardenschweren Apple-Deals notiert die Broadcom-Aktie an der Frankfurter Börse zuletzt bei 350,00 Euro, ein Minus von 0,31 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,38 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 8,63 Prozent. Die Aktie befindet sich damit in einer Verschnaufpause nach der Nachrichtenwelle der vergangenen Tage – und Analysten diskutieren, ob die Bewertung noch zum fundamentalen Bild passt.
Der Apple-Deal als Fundament
Auslöser der jüngsten Rally war die Ausweitung der Partnerschaft mit Apple. Der iPhone-Konzern verpflichtet sich, bis 2031 mehr als 30 Milliarden US-Dollar für kundenspezifische Chips und drahtlose Komponenten von Broadcom auszugeben, darunter FBAR-Filter und HF-Bauteile. Mehr als 15 Milliarden Chips sollen in den USA gefertigt werden, Broadcom investiert dafür 1,5 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seines Werks in Fort Collins, Colorado. Der Deal ist Teil von Apples auf 600 Milliarden US-Dollar aufgestocktem US-Investitionsplan und wurde von CEO Tim Cook und Broadcom-Chef Hock Tan gemeinsam vorgestellt. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die jährlich rund sechs Milliarden US-Dollar aus dem Vertrag im Wesentlichen bestehendes Geschäft fortschreiben und kein zusätzliches Wachstum darstellen. Apple macht bereits heute etwa 20 Prozent von Broadcoms Jahresumsatz von 75 Milliarden US-Dollar aus – der Deal zementiert diese Konzentration, statt sie zu verringern.
Operativ bleibt Broadcom auf Kurs: Im zweiten Geschäftsquartal 2026 legte der Umsatz um 47,9 Prozent auf 22,19 Milliarden US-Dollar zu, der Gewinn je Aktie non-GAAP kam auf 2,44 US-Dollar. Der KI-Silizium-Umsatz sprang um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden US-Dollar, für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen KI-Umsatz von 16 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Plus von mehr als 200 Prozent. Der freie Cashflow lag bei 10,26 Milliarden US-Dollar, das entspricht einer Marge von 46 Prozent, die EBITDA-Marge erreichte 69 Prozent.
Bewertung spaltet die Analysten
Trotz dieser Zahlen ist die Bewertung umstritten. Broadcom handelt aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 64,9, was zwar leicht unter dem Branchenschnitt von 65,1 liegt, aber deutlich über Wettbewerbern wie Qualcomm mit einem KGV von 20 oder Qorvo mit 22. Ein DCF-Modell von Simply Wall St kommt auf einen inneren Wert von rund 459 US-Dollar je Aktie, das wäre gut 13 Prozent über dem damaligen Kurs von rund 400 US-Dollar. Im optimistischen Szenario gilt die Aktie damit als knapp 39 Prozent unterbewertet, im pessimistischen Szenario dagegen als 18 Prozent überbewertet – abhängig davon, wie stark sich die Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden auf die künftige Marge auswirkt. Die Erste Group hat ihre Einstufung wegen genau dieser Bewertungssorgen bereits auf „Hold“ zurückgenommen.
Institutionelle kaufen, Insider verkaufen
Das Anlegerbild bleibt gemischt. Institutionelle Investoren wie Shelton Wealth Management, das seinen Bestand im ersten Quartal 2026 um 124,8 Prozent aufstockte, oder Hodges Capital mit einem Zukauf von 25,4 Prozent, bauen ihre Positionen weiter aus. Auch R Squared Ltd stieg neu mit rund 1,59 Millionen US-Dollar ein. Gleichzeitig verkauften Firmeninsider binnen 90 Tagen rund 36.644 Aktien im Gegenwert von etwa 14 Millionen US-Dollar, darunter Verkäufe von Justine Page und Gayla Delly zu Kursen zwischen 373,86 und 385,38 US-Dollar.
Der Kursverlauf spiegelt die widerstreitenden Kräfte wider: Mit einem Abstand von 18,53 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro und einem Polster von 49,09 Prozent über dem Jahrestief von 234,75 Euro notiert die Aktie fast exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 350,75 Euro, aber knapp zwölf Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 312,69 Euro. Der RSI von 55,0 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand, während die annualisierte Volatilität von 63,07 Prozent die Nervosität rund um die Bewertungsdebatte unterstreicht. Auf Jahressicht steht die Aktie mit 17,98 Prozent im Plus, über zwölf Monate mit 48,62 Prozent.
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