Eigentlich hätte dieser Abend gut ausgehen können. Broadcom übertraf im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen, die Umsatzprognose für das dritte Quartal lag 1,15 Milliarden Dollar über dem Konsens. Trotzdem verlor die Aktie vorbörslich rund 14 Prozent auf etwa 410 Dollar. Was ist passiert?
Das Problem ist nicht das Ergebnis — es ist die Erwartung. Die Anleger hatten die Latte derart hoch gelegt, dass selbst solide Zahlen zur Enttäuschung wurden. Jefferies-Analyst Blayne Curtis brachte es auf den Punkt: „Es ist eine schwierige Aufgabe, jedes Quartal wieder positiv zu überraschen.“ Die KI-Dynamik selbst sei völlig intakt — nur der Ausblick blieb hinter den Träumen zurück.
Der KI-Ausblick als Stolperstein
Konkret: Broadcom prognostiziert für das dritte Quartal KI-Halbleitererlöse von 16 Milliarden Dollar — ein Wachstum von über 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klingt imposant. An der Wall Street hatte man jedoch 17,2 Milliarden Dollar erwartet, manche Käuferseite sogar 18,5 Milliarden. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Management 56 Milliarden Dollar in Aussicht, ebenfalls unter den Marktschätzungen von 57,5 Milliarden Dollar.
Hinzu kommt eine strukturelle Nachricht: Google, Broadcoms größter Kunde für sogenannte TPU-Chips, wird seine Lieferantenbasis diversifizieren und künftig auch MediaTek einbinden. Dass dies irgendwann passieren würde, war Insidern bekannt — ein Dämpfer für die Fantasie ist es trotzdem.
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Analysten bleiben konstruktiv
Bemerkenswert ist, wie die Analysten auf den Kurssturz reagieren. Benchmark hob das Kursziel von 485 auf 545 Dollar an und behielt die Kaufempfehlung bei. JPMorgan sieht den fairen Wert bei 580 Dollar und verweist auf starke KI-Auftragseingänge. Mizuho folgte mit einem Kursziel von 530 Dollar. Die Kursziele der Analystenhäuser reichen insgesamt von 485 bis 580 Dollar — das aktuelle Vorbörsenniveau liegt deutlich darunter.
Dass der Kursrückgang die gesamte Halbleiterbranche mitreißt — von AMD bis Arm — zeigt, wie sehr Broadcom als Stimmungsbarometer für den KI-Chip-Sektor gilt. Adam Crisafulli von Vital Knowledge erinnerte daran, dass Broadcom nach „hervorragenden bis fantastischen“ Ergebnissen der Wettbewerber in den letzten Wochen unter übermenschlichem Erwartungsdruck stand.
Der vorbörsliche Kursstand entspricht in etwa dem Niveau von Mitte Mai — ein Rücksetzer innerhalb eines starken Aufwärtstrends, kein fundamentaler Bruch. Das Fiskaljahr-2027-Ziel von mehr als 100 Milliarden Dollar KI-Halbleiterumsatz steht unverändert im Raum.
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