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Broadcom Aktie: Bank of America stuft wegen 370-Milliarden-Risiko herab

Broadcom plant 80-Milliarden-Dollar-Finanzierung für KI-Infrastruktur, erleidet Rating-Herabstufung und sieht sich wachsender Konkurrenz durch Marvell ausgesetzt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • 80-Milliarden-Dollar-Finanzierung geplant
  • Rating-Herabstufung durch Bank of America
  • Marvell gewinnt Google als Chip-Kunden
  • Aktie 27 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Broadcom verhandelt mit Geldgebern über eine Fremdfinanzierung von bis zu 80 Milliarden Dollar, um Infrastruktur für den KI-Anbieter Anthropic zu stemmen. Bloomberg berichtete am Freitag über die Gespräche, die inzwischen konkretere Formen angenommen haben.

Die Struktur sieht eine nachrangige Tranche von rund 30 Milliarden Dollar vor, ergänzt um eine besicherte Senior-Tranche im Bereich von 60 bis 70 Milliarden Dollar. Als mögliche Kapitalgeber werden Blackstone und Apollo Global Management genannt.

Die Konstruktion läuft über eine eigens gegründete Zweckgesellschaft, die die Schulden ausgibt. Broadcom selbst übernimmt eine Garantie für einen Teil der Senior-Tranche. Der Konzern haftet damit nicht für die gesamte Summe, trägt aber ein erhebliches Restrisiko aus den zugesagten Abnahmeverpflichtungen.

Bank of America warnt vor Ausfallrisiken

Diese Konstruktion hat bereits Spuren in der Kreditbewertung hinterlassen. Bank of America stufte am 18. August die Emittenten- und Anleihe-Ratings von Broadcom herab und begründete den Schritt mit der Sorge um die gemeinsam mit Apollo und Blackstone aufgebaute KI-Finanzierungsplattform.

Wächst diese Plattform im Tempo von zwei Gigawatt pro Quartal weiter, könnte das maximale Exposure aus den Restwertgarantien bis Mitte 2029 auf 370 Milliarden Dollar anwachsen. Im Extremszenario eines vollständigen Ausfalls beziffert die Bank den potenziellen Verlust auf rund 42 Milliarden Dollar.

Zugleich hob Bank of America ihre Umsatz- und Ebitda-Prognosen für das Geschäftsjahr 2026 an – ein Zeichen, dass die Analysten trotz der Kreditsorgen an der operativen KI-Nachfrage festhalten.

Bereits am 14. August hatte Bank of America-Analyst Tom Curcuruto vorgerechnet, dass die Finanzierungsvehikel bei einem Ausbau auf 20 Gigawatt bis Mitte 2029 auf ein Senior-Schuldenvolumen von 370 Milliarden Dollar kommen könnten, allein 150 Milliarden Dollar davon als Neuemission im Jahr 2027. Wichtig für Anleger: Diese Summe würde nicht direkt bei Broadcom als Schuld verbucht, sondern bei der Finanzierungsvehikel-Struktur – der Konzern steht lediglich für einen Teil der Kundenleasingverpflichtungen gerade.

Konkurrenz durch Marvell setzt Kurs unter Druck

Parallel zur Schuldendebatte belastet ein Wettbewerbsthema die Aktie. Marvell Technology legte am 19. August eine Pflichtmitteilung vor, wonach das Unternehmen bereits Ende Juli eine Vereinbarung mit Google zur Entwicklung kundenspezifischer Chips geschlossen hatte.

Die Partnerschaft umfasst eine Aktienoptionsstruktur im Volumen von 12,2 Milliarden Dollar, gekoppelt an Beschaffungsmeilensteine bis ins Geschäftsjahr 2033. Google weitet damit seine Zusammenarbeit mit Marvell auf zusätzliche Beschleuniger und Steuerungschips für KI-Hardware aus.

Für Broadcom nährt das Zweifel an der Rolle als zentraler Zulieferer kundenspezifischer KI-Chips für Google. Der bestehende Langfristvertrag mit dem Suchkonzern läuft zwar noch bis 2031, doch die Marktreaktion fiel deutlich aus: Die Aktie verlor am Tag der Marvell-Meldung rund fünf bis sechs Prozent.

Die Kombination aus Kreditsorgen und Wettbewerbsdruck spiegelt sich im aktuellen Kursbild wider. Broadcom notiert bei 313,65 Euro und liegt damit 27 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde.

Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 6,5 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 200-Tage-Durchschnitt liegt der Kurs derzeit 1,6 Prozent im Minus.

Insider trennen sich weiter von Aktien

Auch bei den Insidergeschäften zeigt sich Zurückhaltung gegenüber der eigenen Aktie. Mark David Brazeal, Chief Legal & Corporate Affairs Officer von Broadcom, verkaufte im Juli mehrfach Aktienpakete: am 8. Juli 25.000 Stück zu einem gewichteten Durchschnittskurs von 379,188 Dollar, am 10. Juli erneut 25.000 Stück zu 401,329 Dollar.

Über die vergangenen 90 Tage kamen laut den vorliegenden Pflichtmitteilungen 52 Insider-Transaktionen zusammen, davon lediglich ein Kauf gegenüber 51 Verkäufen.

Kurzzeitig sorgte die Berichterstattung über die Schuldengespräche am 20. August sogar für eine Gegenbewegung: Die Aktie legte im späten Handel um bis zu 1,1 Prozent zu, nachdem Bloomberg über den Fortschritt der Verhandlungen berichtet hatte.

Ob sich daraus eine nachhaltige Stabilisierung ergibt, hängt maßgeblich davon ab, wie die Finanzierungsstruktur für Anthropic am Ende konkret ausgestaltet wird und wie die Kreditmärkte auf das wachsende Exposure reagieren.

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Diskussion zu Broadcom

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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