Broadcom gerät erneut unter Verkaufsdruck. Auslöser sind Berichte, wonach der Konkurrent Marvell Technology seine Vereinbarung mit Google (Alphabet) im Bereich kundenspezifischer KI-Chips ausgeweitet hat. Das rührt an einer der wichtigsten Ertragssäulen von Broadcom: der langjährigen Rolle als bevorzugter Design-Partner für Googles Tensor Processing Units.
Der Kurs spiegelt die Nervosität deutlich wider. Am Montag schloss die Aktie bei 308,05 Euro, ein Minus von 2,4 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar 8,7 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 429,60 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen das Papier mittlerweile 28 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 34,1 signalisiert eine überverkaufte Situation, die annualisierte Volatilität von 43 Prozent zeigt, wie unruhig der Handel derzeit verläuft.
Analysten reagieren mit vorsichtigeren Schätzungen
UBS-Analyst Timothy Arcuri senkte am Montag seine Schätzung für die KI-Umsätze im Geschäftsjahr 2027 um 5 Milliarden auf rund 130 Milliarden US-Dollar. Als Grund nannte er konservativere Annahmen zu den TPU-Auslieferungen infolge der Marvell-Google-Nachricht. Arcuri hält jedoch an einer konstruktiven langfristigen Einschätzung fest. Damit bleibt die grundsätzliche Wachstumsstory intakt, auch wenn die kurzfristige Visibilität sinkt.
Bemerkenswert ist die gegenläufige Reaktion von Ark Invest: Das Investmenthaus von Cathie Wood soll inmitten der durch die Marvell-Nachricht ausgelösten Branchenvolatilität Broadcom-Aktien zugekauft haben. Das deutet darauf hin, dass nicht alle Marktteilnehmer den Konkurrenzvorstoß als strukturelle Bedrohung werten, sondern eher als Kaufgelegenheit in einem intakten Wachstumsmarkt.
Fundamentaldaten bleiben robust
Losgelöst von der Wettbewerbsdiskussion bestätigte Broadcom für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Umsatz von 63,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 23,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Nettogewinn belief sich auf 23,1 Milliarden US-Dollar, gestützt durch eine auf 39,9 Prozent verbesserte operative Marge. Diese Zahlen relativieren die aktuelle Kursschwäche etwas, denn das operative Geschäft zeigt keine Anzeichen einer Trendwende zum Schlechteren.
Institutionelle Investoren positionieren sich derweil uneinheitlich. Während TCV Trust & Wealth Management seine Position im zweiten Quartal um 2,6 Prozent auf gut 206.700 Aktien reduzierte, stockte Benjamin Edwards seinen Bestand im selben Zeitraum um 26,6 Prozent auf rund 331.200 Aktien auf. Ein einheitliches Bild ergibt sich daraus nicht – die Einschätzungen zur Aktie gehen derzeit spürbar auseinander.
Der Blick richtet sich auf die Quartalszahlen
Entscheidend für die weitere Richtung dürfte der 2. September werden: An diesem Tag legt Broadcom nach Börsenschluss die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026 vor.
JPMorgan-Analyst Harlan Sur hatte am 20. August, vor der Marvell-Nachricht, seine Übergewichten-Einstufung bekräftigt und für das Geschäftsjahr 2026 KI-Umsätze von mehr als 56 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt – ein Plus von über 180 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ob diese Prognose angesichts der neuen Konkurrenzsituation bei Google Bestand hat, dürfte der Bericht am 2. September zeigen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball der Debatte um Googles künftige Chip-Partnerschaften.
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